Gram-positive Bakterien
In klinischem Material finden sich vorwiegend Vertreter der Gattungen Streptococcus und Enterococcus. Man bezeichnet sie auch als Streptokokken im engeren Sinne. Die Enterokokken waren bis vor kurzem noch der Gattung Streptococcus zugeordnet. Wegen der zahlreichen phänotypischen Gemeinsamkeiten werden die Keime der jetzigen Gattungen Streptococcus und Enterococcus hier zusammen beschrieben und als Streptokokken bezeichnet, soweit nicht die Nennung der Gattungen Streptococcus und Enterococcus als solche erforderlich ist. Etwa 1874 konnte BILLROTH erstmalig in Präparaten von Wundeiterungen diese morphologisch auffälligen Keime sehen, denen er wegen der Ähnlichkeit mit einer Halskette den Namen "Streptokokken" gab. Die Formen der Hämolyse nach BROWN sind wie folgt definiert: alpha-Hämolyse: Sie entspricht der Vergrünung. Um die Kolonien herum findet man grüne Höfe von unterschiedlicher Farbintensität, in deren Bereich der Blutfarbstoff zum Methämoglobin umgewandelt ist, während die Erythrozytenmembranen weitgehend erhalten sind. gamma-Hämolyse: Diese an und für sich unsinnige Bezeichnung für die fehlende Veränderung des Blutagars wird ebenfalls noch verwendet. Man sollte diese Streptokokken sinnvollerweise als nicht-hämolysierend bezeichnen. Die für die klinische Mikobiologie bewährte Einteilung der Streptokokken beruht bei den beta-hämolysierenden Arten vor allem auf dem Nachweis der Gruppenpolysaccharide; bei diesen ist der Nachweis des Gruppenantigens zum Teil mit der Speziesdiagnose gleichzusetzen.
Streptococcus pyogenes Streptococcus pyogenes ist für die meisten Streptokokkeninfektionen des Menschen verantwortlich. Er ruft eine Vielzahl von akuten eitrigen Krankheitsbildern hervor, die jedoch auch gefürchtete nichteitrige Folgeerscheinungen nach sich ziehen können. 1. Streptokokkenpharyngitis, Scharlach: in der überwiegenden Zahl der 2. Pyodermien, Erysipel: Als zweite Gruppe der A-Streptokokken-Erkrankungen sind die Infektionen der Haut zu betrachten. Unter dem Sammelbegriff der Pyodermien werden oberflächliche eitrige Hautinfektionen zusammengefaßt, die praktisch nur die Epidermis erfassen. Die tieferen Schichten derHaut sind beim Erysipel erfaßt, einem Krankheitsbild dem wohl immer eine Streptokokkenätiologie zugrunde liegt. Eine flächenhaft fortschreitende Entzündung noch tieferer Schichten beruht meist auf sekundären Infektionen von Verletzungs- und Operationswunden. 3. Sepsis: Aus nicht rechtzeitig behandelten Haut bzw. Wundinfektionen (aber auch Racheninfekten) kann sich die gefürchtete A-Streptokokken-Sepsis entwickeln, die unter dem Zeichen einer Purpura fulminans sehr rasch zum Tode führen kann. Auch bei dem vor Einführung von Antibiotika sehr gefürchteten Kindbettfieber handelte es sich nicht selten um eine A-Streptokokken-Erkrankung. Spätfolgen: Eine der wichtigsten Spätfolgen der A-Streptokokkenpharyngitis, die in einem nicht sicher festzulegenden, meist niedrigen Prozentsatz der unbehandelten Erkrankung nach einer Latenzzeit von durchschnittlich 18 Tagen auftritt, ist das als akutes rheumatisches Fieber (ARF) bezeichnete Syndrom. Die Hauptsymptome sind schmerzhafte entzündliche Schwellungen der großen und mittleren Gelenke sowie eine Karditis, vor allem im Bereich des Endokards und der Herzklappen (Endocarditis verrucosa).
Antikörpernachweis: Oft kann man bei Auf treten der nicht-eitrigen Folgeerkrankungen den
Orale Streptokokken Es handelt sich bei den oralen Streptokokken über wiegend um vergrünende nicht-hämolysierende Streptokokken. Streptococcus sanguis, Streptococcus salivarius, Streptococcus mutans, Streptococcus uberis, Streptococcus mitior (auch S. mitis), S. milleri (auch S. anginosus, S. intermedius), gehören der normalen Mundflora an und werden daher auch als orale Streptokokken bezeichnet. Die verschiedenen Namen rühren daher, daß verschiedene Stämme aufgrund genetischer Gemeinsamkeiten in einer gemeinsamen Spezies zusammengefaßt worden sind. Als Krankheitserreger sind einige dieser Arten bei der Genese der bakteriellen (ulzerösen) Endokarditis sowie Karies beteiligt. S. milleri kann auch aus - meist dentogenen - Abszessen allein oder in Mischkultur isoliert werden. S. mutans ist in besonderem Maße in der Lage, an Zahnoberflächen anzuhaften und durch seine sauren Stoffwechselprodukte die Zahnsubstanzen anzugreifen. S. anginosus wird nicht selten bei Infektionen im Mundbereich, sowie bei Hirn-, Leber- und Abdominalabszessen und Septikämien gefunden.
Streptococcus pneumoniae ist der Erreger der lobären Pneumonie ("Pneumokokken"). Nur bekapselte Stämme sind für Mensch und Versuchstiere virulent. Die einen oder mehrere Lungenlappen erfassende lobäre Pneumokokken-Pneumonie tritt meist als endogene Infektion auf, wenn aufgrund eines Virusinfektes (Influenza) des Repirationstraktes oder einer sonstigen lokalen oder allgemeinen Schwäche der Infektabwehr Pneumokokken aus dem oberen Respirationstrakt die natürlichen Abwehrmechenismen der unteren Atemwege überwinden. Ein asymptomatischer Keimträgerstatus als Erregerquelle ist recht häufig. Die Abertragung von einem Patienten mit einer Pneumokokkeninfektion auf einen anderen ist jedoch durchaus möglich. Ein höheres Lebensalter, besonders aber die Phagozytose beeinträchtigende Prozesse (z.B. bei Leukosen, Malignomen) begünstigen das Angehen von Pneumokokkeninfektionen. Patienten mit nephrotischem Syndrom, mit Sichelzellenanämie, sowie Alkoholiker sind ebenfalls besonders anfällig für septische Pneumokokkeninfektionen. Weitere typische Infektionen sind Otitis media, Sinusitis, Konjunktivitis (evtl. mit Entwicklung eines Ulcus serpens corneae) und eine eitrige Meningitis. Enterokokken Moderne Nukleinsäurehybridisierungstechniken ergaben, daß Streptococcus faecalis und Strepto coccus faecium taxonomisch mit den übrigen Streptokokken-Arten nicht so nahe verwandt sind, wie bisher angenommen. Es wurde daher vorgeschlagen, sie in einer Gattung Enterococcus (E. faecalis, E. faecium) innerhalb der Streptococcaceae einzuordnen. Diese Bezeichnungen haben sich bisher jedoch noch nicht in der klinischen Mikrobiologie durchgesetzt. Therapie: Die Enterokokken zeichnen sich als einzige Streptokokkenspezies durch eine ausgeprägte Neigung zur Antibiotikaresistenz aus. Die Enterokokken sind Penicillin G- und Oxacillin-resistent, während sie meistens Ampicillin-empfindlich sind. Ampicillin gilt daher als Standardtherapeutikum bei einer Enterokokken-Harnwegsinfektion. Alternativen wären Mezlocillin, Tetracycline, Piperacillin und Erythromycin. Bei E. faecium ist durch hohe Ampicillin-Resistenz das Antibiotikum Vancomycin angezeigt. Streptococcus bovis Die Art Streptococcus bovis hat ihren natürlichen Standort im Darm von Mensch und Tier. S. bovis wird im Blut bei Endocarditis gefunden. Seine Isolierung aus Blut (z. B. auch ohne Endocarditiszeichen) sollte als Hinweis auf einen Prozeß im Darm (Tumor, Polyposis, Divertikulose) beachtet werden. Die Chemotherapie der Endocarditis wird hier mit Penicillin G kombiniert mit Gentamicin durchgeführt. Aerococcus Die einzige Spezies der Gattung, Aerococcus viridans, kommt in der Umwelt vor und wurde vereinzelt als Ursache menschlicher Infektionen beschrieben (Harnwegsinfektionen, Endocarditis). Die Therapie ist die gleiche wie bei den oralen Streptokokken. Quellen:
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