Virologie des Stuhles

Insbesondere Gastroenteritiden bei Kindern werden vorwiegend durch Viren hervorgerufen. Am häufigsten finden sich hierbei Adeno-, Rota-, Astro- und Caliciviren, zu denen auch die Noroviren gehören. Bis zum Alter von zwei Jahren haben die meisten Kinder Antikörper gegen viele enteropathogene Viren gebildet.

In den letzten Jahren sind die meisten Durchfallerkrankungen bei Erwachsenen in Deutschland durch Noroviren hervorgerufen worden. Danach folgten in der Häufigkeit Campylobacter und Salmonellen. Noroviren befallen häufig auch Erwachsene.

Epidemiologie von enteropathogenen Viren

Die Infektion erfolgt fäkal-oral meist als Schmierinfektion oder auch über die Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln oder Wasser. Keimträger sind akut oder asymptomatisch infizierte Menschen. Ältere Kinder und Erwachsene weisen oft eine hohe Durchseuchung auf, ohne selbst krank zu werden.


Pathogenese

Enteropathogene Viren befallen und schädigen die Enterozyten und verursachen damit eine Entzündungsreaktion mit massiver Wasser- und Elektrolytresorptionsstörung. Der daraus resultierende Flüssigkeitsverlust wird noch durch die Einschränkung der resorptiven Oberfläche sowie der bürstensaumständigen Verdauungsenzyme als Folge der Zottenatrophie verstärkt. Die vermehrt im  Darmlumen zurückbleibenden Nahrungsbestandteile führen zu einem osmotisch bedingten Flüssigkeitsübertritt im Darmlumen und letztendlich zum Durchfall. Eine dauerhafte Malabsorption (häufig Laktoseintoleranz) kann sich entwickeln. Diese Spätfolgen werden in der Praxis häufig nicht beachtet.

Rotaviren

Die Infektion mit Rotaviren erfolgt fäkal-oral. Da Rotaviren chemischen oder physikalischen Einflüssen gegenüber relativ resistent sind, ist auch eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen zu beachten. Klinische Symptome treten nach 1-3 Tagen auf. Die schwersten Krankheitsverläufe werden in der Altersgruppe zwischen 6 Monaten und drei Jahren beobachtet. Erste Anzeichen sind häufig Erbrechen, gefolgt von hohem Fieber und Diarrhöe.

Bei schweren Krankheitsverläufen kann der Durchfall zur Exsikkose führen. Hierbei kann ohne Gegenmaßnahmen innerhalb weniger Stunden der Tod eintreten. Die Erkrankung kann 6-8 Tage andauern. Vor, während und nach dieser Zeit wird noch infektiöses Virusmaterial ausgeschieden.

Therapie:

Zunächst ist auf eine Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu achten. Behandelt werden müssen die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste.

Meldepflicht besteht für den direkten oder indirekten Nachweis von Rotaviren. 

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Noroviren

Noroviren, die früher auch als Norwalk-Viren bezeichnet worden, sind neben den Rotaviren die häufigsten Erreger viraler Gastroenteritiden. Noroviren werden fäkal-oral, aber auch aerogen übertragen. Dies ist insbesondere beim Umgang mit Stuhl und Erbrochenem zu beachten. Ausbrüche gehen oft von infizierten Speisen und Getränken oder auch kontaminierten Gegenständen aus. Noroviren überleben Temperaturschwankungen von – 20°C bis zu + 60°C. Mit einer minimalen Infektionsdosis von 10 bis 100 Viruspartikeln ist ihre Kontagiosität ausgesprochen hoch.

Die Inkubationszeit beträgt nur bis zu drei Tagen. Dann kommt es zu starken Durchfällen und Erbrechen. Folgen können erhebliche Elektrolyt- und Wasserverluste sein, die insbesondere bei Kindern und älteren Menschen Komplikationen hervorrufen können. Es besteht ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Myalgien, Kopfschmerzen und Malaise.

Die Dauer der akuten Erkrankung beträgt in der Regel 12 - 72 Stunden.

Die Erkrankung ist selbstlimitierend.

Therapie:

Die Therapie verfolgt einen Ausgleich der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste. Beim Auftreten eines Ausbruchs gelten strengste Hygienemaßnahmen, um eine Kontaktinfektion zu vermeiden. Die hohen Infektionsraten in Gemeinschaftseinrichtungen stellen eine besondere Gefahr für das Personal und die Aufrechterhaltung geordneter Betriebsabläufe dar.

Einfachste Vermeidung einer Ansteckung ist der Verzicht auf Händeschütteln.

Der Nachweis einer Infektion ist meldepflichtig.

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