Mikrobiologische Diagnostik im Stuhl


Der Darm eines gesunden Menschen beherbergt 100.000.000.000.000 - 1.000.000.000.000.000 Bakterien. Das sind 10 - 100 mal mehr als der Mensch Körperzellen besitzt. Bei einem Erwachsenen Menschen wiegt die Darmflora alleine ca. 700 g und erfüllt zahlreiche Aufgaben.

Die Zusammensetzung der Keime unterscheidet sich von Darmabschnitt zu Darmabschnitt und ändert sich von Geburt an je nach Ernährung und Lebensalter immer wieder.
In der Mundhöhle leben ca. 200 Arten, im Magen aufgrund seines niedrigen pH-Wertes nur etwa 50, im Dünndarm fühlen sich schon wieder 100 Arten zuhause und im Dickdarm gar 400 - 500.
Diese gigantischen Zahlen zeigen auch, dass der Umgang mit sogenannten Normwerten innerhalb der Darmflora mit Vorsicht zu genießen ist. Die Darmflora eines jeden Menschen weist individuelle Eigenheiten auf wie ein Fingerabdruck.

Die Bedeutung der Darmflora für den Menschen sei in der nachfolgenden Tabelle kurz zusammengestellt.

 Intakte Darmflora
- verhindert durch Raum- und Nahrungskonkurrenz die Ansiedelung pathogener Fremdkeime
  produziert Stofffwechselprodukte, die ebenfalls die Ansiedelung pathogener Fremdkeime verhindert
 (Bacteriocine)
- beeinflußt das Milieu durch pH-Absenkung, Senkung des Sauerstoff-Partialdruckes und des Redoxpotentials
  trainiert das darmassoziierte Immunsystem "GALT"
- produziert kurzkettige Fettsäuren, die ca. 40% des Energiebedarfs des Darmepithels deckt.
  regt die Colondurchblutung und Darmmotilität an.
- produziert Vitamine der B-Gruppe, Folsäure, Biotin, Niacin und Panthothensäure.

Das funktionierende Ökosystem Darm kann jedoch durch eine Vielzahl von Einflüssen aus dem Gleichgewicht gebracht werden.  Oft kommen mehrere Einflüsse zusammen und dann ist selbst die Regulationsfähigkeit dieser Menge an Biomasse erschöpft. Störungen können zustande kommen durch:

-Belastung des Körpers mit Schadstoffen (Biogene Amine, Schwermetalle,  Insektizide, etc. )
-Belastung des Körpers mit pathogenen Erregern (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten)
-Belastung des Körpers mit Arzneimitteln (insbesondere Antibiotika, Immunsuppressiva, Cortison)
-Einseitige Ernährung
-Mangel an protektiven Stoffen (Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine)

Diagnostik der Darmflora

Anaerobier:
Der Großteil der Darmflora gehört zu den anaeroben Bakterien, d. h. es handelt sich um Mikroorganismen, die unter Luftsauerstoffzufuhr sterben. Diese Bakterien(Bacteroides spp., Bifidobacterium spp. etc) sind wie viele andere Anaerobier, im Vergleich zu den aeroben Keimen relativ wenig stoffwechselaktiv. Trotz der großen Keimmenge sind die Auswirkungen ihrer Stoffwechselaktivität auf das intestinale Milieu daher vergleichsweise gering. Da diese Keime den Versand oft nicht adäquat überleben, verzichten wir auf den Nachweis dieser Keimgruppen.


Aerobier:
Bei den im Darm lebenden aeroben Bakterien muß unterschieden werden zwischen obligater Flora (d. h. die Keime sollten vorhanden sein und passagerer Flora. Die obligate Flora siedelt sich im Laufe des Lebens an und übernimmt wichtige Aufgaben im intestinalen Milieu. Passagere Keime gelangen mit der Nahrung in den Darm und übernehmen keine besonderen Aufgaben, können in Einzelfällen sogar schädlich sein. Diese Keime sollten nur bis zu einer gewissen Menge im Stuhl auftauchen.

Gram-Negative und Non-Fermenter

Escherichia coli:
Dieser Keime gehört zur obligaten Flora und sollte sollte in einer Anzahl von 1.000.000 - 10.000.000 Keimen pro Gramm Stuhl im Darm vorhanden sein. Er übernimmt wichtige Aufgaben in der Kolonisationsresistenz, der immunologischen Schulung im Darm und der Ernährung der Mucosazellen.
Wird er nicht oder in zu geringer Menge nachgewiesen, sollte unbedingt eine Therapie (z. B. Mit Mutaflor) zur Stabilisierung der Kolonisationsresistenz erfolgen.
Auch bei einem "Zuviel" an E. Coli, dem sogenannten Overgrowth-Syndrom wird der Stamm Nissle 1917 empfohlen. Das mag auf den ersten Blick unlogisch erscheinen, erklärt sich aber durch die zahlreichen positiven Wirkungen des Nissle-Stammes. Durch die Immunstimulation und die Verbesserung des intestinalen Milieus stellen sich gewissermaßen wieder normale Verhältnisse ein. Einen einzelnen Keim mit Hilfe von Antibiotika zu vermindern, ist nahezu unmöglich. Es werden immer viele andere Bakterien mit betroffen sein und der Schaden einer selektiven Keimhemmung ist größer als deren Nutzen.

Vertreter der Gattungen Klebsiella, Citrobacter, Hafnia, Morganella, Serratia, etc.:
Diese Keime gehören zur passageren Flora und sollten nur in Keimzahlen bis 105 Keimen pro Gramm Stuhl nachweisbar sein. Höhere Keimzahlen zeigen Verschiebungen innerhalb der Darmflora an und sollten bei entsprechender Symptomatik behandelt werden.

Salmonellen, Shigellen, enterohämorrhagische E. coli und Yersinien sind wichtige Durchfallerreger und gehören ebenfalls zur den Gram-negativen Stäbchen.

Gram-Positive Keime

Enterococcus spp.:
Für Enterococcen gelten die gleichen Normwerte, wie für E. coli ( 1.000.000 -10.000.000 Keime pro Gramm Stuhl). Auch sie gehören zu obligaten Flora. Sie wirken jedoch weniger immunogen als E. coli. Dies sollte bei Einsatz dieser Keime in der mikrobiologischen Therapie beachtet werden.

Streptokokken, Staphylokokken:
Diese Keimgruppen gehören zur normalen Standortflora der Haut und des Darmes. Ausnahmen hiervon sind die ß-hämolysierenden Streptokokken und Staphylococcus aureus als wichtige Entzündungserreger. S. aureus kann Enterotoxine bilden, die Durchfall und Erbrechen hervorrufen können. ß-hämolysierende Streptokokken können vermehrt bei entzündlichen Darmerkrankungen auftreten, aber auch durch Abschlucken von Keimen bei entzündlichen Prozessen im HNO-Bereich in den Darm gelangt sein.