Probennahme

 

1. Probennahme:

Der Aussagewert mikrobiologischer Untersuchungen hängt maßgeblich von der richtigen Gewinnung des Untersuchungsmaterials und seiner unverzüglichen Abermittlung ans Labor ab.

Ganz allgemein sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

A: Die Materialgewinnung sollte möglichst vor Beginn antibiotischer/ antimykotischer Therapie oder anderer keimschädigender Maßnahmen erfolgen.

B: Die Beförderung zum Labor sollte schnellstmöglich erfolgen (also kein Material Freitagabend entnehmen, Montagmorgen zur Post bringen, etc.) Bei längerem Transport und bestimmten Materialien sollten auf jeden Fall spezielle Transportmedien und Gefäße verwendet werden. Diese sind kostenlos im Labor zu beziehen.

C: Der Probenbegleitschein sollte ausreichende klinische Informationen enthalten (Diagnose, Verdacht, Krankheitsbild, vorausgegangene Medikation), damit das Labor seine Methodik auf den Fall einstellen kann.


Stuhlentnahme zur mikrobiologischen und parasitologischen Untersuchung:
Pilze sind nicht gleichmäßig im Darm verteilt, sondern sitzen in Nestern in den Zottenzwischenräumen oder in Divertikeln des Dickdarmes. Es ist daher ratsam, vor der Probennahme mit dem Entnahmelöffel ca. 25 mal im Stuhlmaterial herumzustochern, bzw. den Stuhl durchzurühren. Danach die Stuhlprobe nicht von einer, sondern von mindestens 8 verschiedenen Stellen nehmen. Auch für die parasitologische Untersuchung empfiehlt sich dieses Verfahren.
Das Röhrchen sollte jedoch nicht zu mehr als 3/4 gefüllt sein, da sonst die Gefahr besteht, daß eventuell in der Probe gärende Hefen das Röhrchen explosionsartig sprengen. Die Folgen sind unerwünscht!

Hinweis: Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich falsch negative Ergebnisse verringern lassen, wenn man parallel zur Stuhluntersuchung einen Zungenabstrich mit durchführt. Wir untersuchen Ihnen diesen Zungenabstrich kostenlos, wenn das Abstrichröhrchen mit Z 1 gekennzeichnet und am selben Tag mit der Stuhlprobe eingeschickt wird. Für den Zungenabstrich erhalten Sie keinen gesonderten Befund.

Empfehlung für den Patienten:
Vor der Entnahme einer Stuhlprobe sollte sichergestellt werden, das die Probe nicht durch in der Toilette stehendes Wasser verdünnt wird (Pseudodurchfälle) und keine Reste von Desinfektionsmitteln, die das Ergebnis verfälschen können, vorhanden sind. Im Interesse eines repräsentativen Ergebnisses müssen die Faeces vorher durchgerührt werden und eine Probennahme muss an verschiedenen Stellen (ca. 6 - 8) erfolgen. Das Probengefäß sollte zu 3/4 gefüllt werden.

Durch den dichten Verschluss des Sammelgefäßes ist die Probe dann vor Austrocknung geschützt. Lagerungsversuche, die Aufschluss über die Veränderungen geben sollten, haben in Abereinstimmung mit der Norm gezeigt, dass die Messwerte ca. 3 - 4 Tage eine reproduzierbare Konstanz aufweisen.

Für die genaue Quantifizierung (bezogen auf Gramm Stuhl) erweist sich die Verwendung von
Transportmedien bei der mykologischen Diagnostik, sowie bei der Erfassung von Leitkeimen der Darmbiozönose als eher hinderlich.
Die beschriebenen Transportmedien sorgen in aller Regel für eine Bevorzugung bzw. Hemmung einzelner Keimgruppen. Daher kommen Transportmedien stets bei Fragestellungen die spezielle Keimgruppen betreffen zum Einsatz.
Grundsätzlich abzuraten ist von einer über zwei Tage oder mehrere Tage sich hinziehenden Probenahme.

Neben der sich verlängernden Zeitspanne kommen starke Temperaturschwankungen
(Kühlschranklagerung) und veränderte Sauerstoffverhältnisse hinzu (Wiederöffnen des Gefäßes bei zweiter Probennahme) und die Möglichkeit einer mikrobiellen Kontamination des Patienten beim Hantieren mit dem bereits gefüllten Probegefäß ist als unerwünschte Gefahrenquelle zu vermeiden.

Als Beitrag zur Qualitätssicherung ist es anzusehen, wenn der Patient die Probe unmittelbar nach der Probennahme auf den Postweg bringt. Dabei ist zu bedenken, daß der Freitag wegen des Wochenendes ungünstiger Versandtag ist, da eine Aufarbeitung in aller Regel erst am Montag erfolgt.

Entnahme von Urin:
Zur Unrinanalyse werden Mittelstrahlurin, Katheter oder auch Punktionsurin herangezogen. Bei Frauen darf kein Vaginalsekret an die Harnröhrenöffnung gelangen, weil sonst der Test falsch positiv ausfallen könnte.
Wichtig ist, dass der Urin in dafür vorgesehenen Gefäßen (Uristat) verschickt wird. Das hat den Grund, dass selbst keimarm entnommener Urin Bakterien enthält (bei Frauen bis zu 105/ml). Diese Bakterien oder auch Pilze vermehren sich während des Transportes (vielleicht sogar noch über das Wochenende) explosionsartig. In den Uristat-Röhrchen befindet sich lyophilisierte Borsäure. Diese hält die vorhandenen Keimzahlen konstant. Urinsedimente sollten im Transystem (längliches Röhrchen mit Transportmedium und Watteträger, im
Labor zu beziehen) verschickt werden. Das verhindert ein Eintrocknen der Keime.

Gewinnung von Sputum, Bronchialsekret, etc.
Vor der Probennahme muss der Mund mit einem fungiziden Mundwasser (z. B. Salviathymol aus der Apotheke) gründlich ausgespült werden, die Zähne sollten ebenfalls geputzt werden. Das hat den Grund, dass der Mund oft von Pilzen besiedelt wird. Das Sputum wird durch kurze Hustenstöße hervorgebracht und kommt zwangsläufig mit der Zunge in Berührung. So könnte ein falsch positives Ergebnis vorgetäuscht werden.
Zur Entnahme von Bronchialsekret empfiehlt sich eine Bronchoskopie. Bevor das sterile Bronchoskop eingeführt wird, muss die Mundhöhle ebenfalls pilzfrei sein. Das Bronchialsekret wird entweder abgesaugt, oder man lässt es nach dem Herausnehmen des Bronchoskops in ein steriles Auffanggefäß tropfen. Die Proben verschickt man am besten mit einem Transystem (längliches Röhrchen mit Agar und Wattestäbchen, kostenlos im Labor zu beziehen), um ein Eintrocknen, bzw. Absterben empfindlicher Keime (z. B. Haemophilus) zu verhindern.

Mundhöhlenabstriche:
Ausgeprägte Soorbeläge bei Säuglingen und Kleinkindern sehen sehr typisch aus. Mit sterilen
Wattetupfern, sterilen Spateln , sterilen Impfösen o. ä. lässt sich leicht Material entnehmen.
Sind keine Beläge zu sehen, wischen Sie vorher die Mundhöhle aus, insbesondere das hintere Drittel der Zunge und der Rachenpartie. Streifen Sie mit einem sterilen Spatel oder einem nicht biegsamen, sterilen Watteträger die Zunge fest ab. Gleiches gilt für Zahnfleisch, Rachen, Tonsillen und Zahnprothesen. Vor dem Zungenabstrich darf der Mund natürlich nicht mit einer antimykotischen Lösung behandelt werden, da das Ergebnis sonst falsch negativ ausfallen könnte.

Der Versand von Untersuchungsmaterial:
Die Fragen zum Versand und der Verpackung von medizinischem und biologischem Untersuchungsgut sind in verschiedenen Normen eindeutig geregelt. Die DIN 55515 regelt detailliert die Anforderungen, die an das Probengefäß, das Abergefäß und die Außenverpackung zu stellen sind. Hierbei geht es um die Materialeigenschaften und die Sterilität der Probengefäße. Die DIN 58942 regelt die Anforderungen an die
Kulturmedien und die Transportsysteme für bakteriologisches Untersuchungsgut. Hieraus ergibt sich, dass eine mikrobiologische Versanddiagnostik aus unterschiedlichen Humanproben sehr zuverlässig sein kann. In zahlreichen Versuchsreihen wurden hier die minimalen Aberlebenszeiten relevanter Keimgruppen untersucht. Für die meisten Keime ergeben sich dabei minimale Aberlebenszeiten von 72 h (3 Tage). Lediglich Neissereia gonorrhoe und Streptococcus pneumoniae sind mit 24 h angegeben.

Die speziellen Ausführungen zur Qualitätssicherung mit den besonderen Anforderungen an Probennahme und Transport von Untersuchungsgut regelt schließlich die DIN 58959. Hierbei wird insbesondere auf die Bedingungen von Stuhluntersuchungen eingegangen.

Die Probennahme für die Untersuchung auf Dermatophyten Versand von Haut-, Haar- und Nagelproben:
Die Untersuchung von Material auf Dermatophyten erfordert besondere Sorgfalt, da Dermatophyten sehr langsam wachsen und so Kontaminationen durch schnellwachsende Schimmelpilze oder Bakterien die Beurteilung der Präparate erschweren oder sogar unmöglich machen.

Untersuchung von Hautmaterial:
Borken, Krusten, mazerierte Haut und grobe Schuppenauflagerungen werden mit einer Pinzette entfernt und verworfen. In den lose herumhängenden Hautfetzen findet man keinen lebenden pathogenen Pilz mehr. Der Rand des mykoseverdächtigen Herdes muss mit einem Mulltupfer und siebzigprozentigem Alkohol gründlich gereinigt werden, da sich viele Anflugkeime auf der Haut befinden, die keinerlei pathologische Bedeutung haben. Diese überwuchern rasch eventuelle Dermatophytenkulturen.

Dann kratzt man mit einem Skalpell oder einem scharfen Löffel in Richtung auf das gesunde Gewebe und entnimmt so 30 - 50 kleine Schüppchen und fängt sie in einem sterilen Gefäß auf (z. B. ein steriles Stuhlröhrchen). Im Zentrum des mykoseverdächtigen Herdes sind keine Pilzelemente mehr vorhanden, da der Pilz von innen nach außen wächst.
Abstriche mit Watteträgern sind für die mykologische Untersuchung völlig ungeeignet. Bakterielle Primär- oder Sekundärinfektionen lassen sich so allerdings diagnostizieren.

Entnahme von Nagelmaterial:
Alles krank aussehende Nagelmaterial mit Schere, Skalpell, scharfem Löffel oder Fräse schonend aber weitgehend entfernen. Nur so kommen Sie an die Pilznester am Rand des gesunden Gewebes heran. Vor der Materialgewinnung für die mykologische Untersuchung das freigelegte Nagelbett gründlich reinigen. Die Probe am besten mit einem scharfen Skalpell, einem sehr kleinen scharfen Löffel oder mit einer Fräse in einem Plexiglas-Schutzkasten entnehmen.

Je mehr Material Sie entnehmen, um so besser sind die Chancen, lebende Pilzzellen zu gewinnen. 30 - 50 Nagelteilchen reichen zur Untersuchung aus.
Der Versand kann in einem sterilen Stuhlröhrchen (ohne Löffel) erfolgen. Die weitere Aufarbeitung der Probe erfolgt im Labor. Bitte keine Nährböden für den Versand verwenden.

Sehr harte Nägel lassen sich am besten mit einer vierzigprozentigen Harnstoffsalbe oder -creme unter einem Okklusionsverband erweichen. Den Verband einige Tage auf dem Nagel belassen, er schädigt das gesunde Gewebe nicht.
Bloßes Abkratzen distaler Nagelpartien bzw. des freien Nagelrandes fördert meist nur abgestorbene Pilzelemente zu Tage. Die Kulturen gehen unter diesen Umständen nicht an. Zwecklos ist es, ein Stückchen Nagel abzuschneiden oder gar den ganzen Nagel zu extrahieren, um damit eine Kultur beimpfen zu wollen.

Entnahme von Haarstümpfen:
Pilze wachsen in Höhe des Hautniveaus in Richtung Haarwurzel. Bei starkem Befall brechen die Haare ab und die Stümpfe bleiben stehen. In Ihnen stecken die lebenden Pilzelemente, die es nachzuweisen gilt. Der Nachweis ist teilweise schwierig. Entnehmen Sie deshalb möglichst viele Haarstümpfe.
Zunächst muss der Entnahmebezirk gründlich mit siebzigprozentigem Alkohol gereinigt werden, um Anflugkeime, insbesondere Schimmelpilze zu entfernen. Die Haare dürfen nicht abgeschnitten oder ausgerissen werden. 30 - 40 Haarstümpfe sollten eingeschickt werden. Haarstümpfe sind sorgfältig und einzeln zu epilieren. Es sind glanzlose, matte, abgebrochene Haare am Rand der Erscheinungen auszusuchen, die sich leicht ausziehen lassen.
Der Versand erfolgt am besten in einem kleinen Papiertütchen (oder auch in einem kleinen
Briefumschlag).

Nur wenn Sie den Verdacht auf Piedra nigra oder Piedra alba haben, schneiden Sie mit der Schere ein bis zwei Zentimeter des Haarschaftes ab, an dem die charakteristischen kleinen schwarzen oder grau-weißen Knötchen sitzen.
Sind die Haare genau im Hautnivieau abgebrochen, kaum noch zu sehen und lassen sich nicht mehr mit einer Epilationspinzette fassen, können Sie die Haarwurzeln mit einem spitzen Skalpell oder mit einer Impflanzette heraushobeln.

Raumluftfallen:
Eine orientierende Untersuchung zur Belastung der Luft mit Schimmelpilzsporen ist die sogenannte Raumluftfalle oder Sporenfalle. Hierzu wird ein geöffneter Nährboden 1 Stunde in der Wohnung aufgestellt und dann verschlossen und vor Bruch gesichert in Labor zur weiteren Bearbeitung geschickt. Auf den Boden gefallene Sporen keimen dann aus und erzeugen typische Pilzkolonien, die dann makroskopisch und mikroskopisch beurteilt
werden.
Man sollte die Sporenfalle nicht am geöffneten Fenster oder direkt neben einem Blumentopf aufstellen, da dieses die Ergebnisse verfälschen würde.

Zum Nachweis von Wand-, Mauer-, Tapeten- oder sonstigem Schimmelbefall von Wohnungen kann man auch etwas von dem befallenen Material abzupfen und in einem sauberen Gefäß zur Untersuchung einschicken. Die Proben werden dann im Labor aufbereitet. Diese Methode ist geeigneter als die Raumluftfalle, da Kontaminationen vermieden werden.