Pankreatische Elastase-1

Sichere Diagnostik von chronischer und akuter Pankreatitis

Die Diagnose von exokriner Pankreasinsuffizienz ist durch das unspezifische klinische Bild er­schwert. Betroffene Patienten können unter Ober­bauchschmerzen, Nah­rungs­unverträglichkeit Ge­wichtsverlust, oder Diarrhoe leiden. Ähn­liche Symp­tome zeigen aber auch Erkran­kungen der Leber, der Galle oder des Darmes. Daher ist es nicht überraschend, dass die chro­nische Pan­krea­titis jahrelang nicht erkannt wird. Obwohl die Inzidenz der chronischen Pankreatitis in den Industrienationen ansteigt, möglicherweise wegen des zunehmenden Alko­holkonsums, gab es bisher keine verlässli­chen nicht-invasiven Labor­parameter, um die chronische Pankreasfunktion zu erfassen.

Bei Verdacht auf chronische Pankreatitis war es bisher üblich, die Chymotrypsinaktivität im Stuhl zu bestimmen. Da jedoch nur 0,5 % der duodenalen Aktivität in den Stuhl gelangen, ist dieser Wert anfällig für Störeinflüsse. Eine weitere Möglichkeit des Nachweises der chronischen Pankreatitis ist der Pankreolauryltest. Dies ist ein Funktionstest, der bis zu drei Tagen dauert und die strikte Einhaltung einer Diät an den Analysetagen erfordert. Die Testergebnisse werden daher maßgeblich von der Mit­arbeit des Patienten beeinflusst.

Goldstandard für die Diagnose der Pankreasin­suffizienz sind die direkten Pankreasfunktions­tests. Dabei wird unter Röntgenkontrolle Pankreassekret durch Intubation gewonnen. Das Pankreas wird mittels einer Testmahlzeit oder durch die Gabe von Sekretin oder Pankreozymin stimuliert. Anschließend werden im Labor die enzymatischen Aktivitäten und Pufferkapazität des Bikarbonatpuffers bestimmt. Diese direkten Funktionstests sind sehr sensitiv und spezifisch, aber aufgrund der hohen Kosten und der Be­lastung für den Patienten werden diese in­vasiven Tests heute nur noch in sehr wenigen gastroenterologischen Zentren durchgeführt.

Inzwischen gibt es einen nicht-invasiven Pankreasfunktionstest, der auf dem immunologischen Nachweis der pankreatischen Elastase-1 im Stuhl basiert (Fa. Schebo-Biotech, Giessen). Eine ganze Anzahl klinischer Studien berichten über hohe Sensitivität und Spezifität dieses Testes.

Die pankreatische Elastase ist eine Verdau­ungsprotease, die in den Azinuszellen des exo­krinen Pankreas systhetisiert wird. Die Elastase gelangt anschließend mit den anderen pankreatischen Enzymen wie Amylase, Lipase und Trypsin ins Duodenum. Sie zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe intestinale Stabilität aus und wird im Darm weder durch körpereigene Protease noch durch die mikrobielle Flora ab­gebaut. Daher lässt sie sich gut im Stuhl mit Hilfe immunologischer Verfahren nachweisen und quantifizieren. Für die Untersuchung genügt eine einzige Stuhlprobe. Bereits im ersten Lebensmonat liegen die Elastasekonzentrationen oberhalb der unteren Referenzkonzentration von 200 µg/g Stuhl. Für den Nachweis der Elastase im Stuhl werden monokolonale Antikörper verwendet, die spezifisch für die humane Elastase des Pankreas sind. Daher wird die Bestimmung dieses Enzyms auch nicht durch die gleichzeitige Einnahme von Pankreasenzymprä­paraten, die Pankreatin tierischen Ursprungs enthalten, beeinflusst. Das Absetzen einer Substitutionstherapie, wie es für alle anderen Pankreasfunktionstests nötig ist, ist bei diesem Verfahren nicht erforderlich.

Bedenke:


    - fast jeder zweite Diabetiker hat eine sekretorische Pankreasinsuffizienz,

    - bei einem Drittel aller Gallenstein-Patienten finden sich zu niedrige Elastasewerte,

    - ein Drittel aller Osteoporose-Patientinnen hat verminderte Elastasewerte.

Diese Symptome deuten auf eine sekretorische Pankreasinsuffizienz hin:

-          unklarer Gewichtsverlust

-          postprandiale Beschwerden, Übelkeit, kolikartige Schmerzen, Unverträglichkeit von Speisen, insbesondere von Fetten oder Ölen u. a. in Kombination mit Eiweißen und Alkohol

-          Gallensteinleiden in der Familie

-          Diabetes mellitus

-          Blähungsgefühl

-          malassimilatorische Diarrhoe (dünner Stuhl, Durchfall, wechselnde Stühle)

Normalwert:                             über 200 µg/g Stuhl                  Therapieempfehlung: Keine

Mittlere Insuffizienz:                100 - 200 µg/g Stuhl

Vielfach geht der Pankreasinsuffizienz kausal eine latente Pankreasentzündung voraus. Es empfiehlt sich, sowohl den substitutiven als auch den entzündungshemmenden Aspekt zu berücksichtigen.

Starke Insuffizienz:                  unter 100 µg/g Stuhl
 
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