Mykosen des Verdauungstraktes



Das Thema "Mykosen des Verdauungstraktes" steht augenblicklich im Mittelpunkt des Medieninteresses.
Die Flut an Informationen über die Medien führt dazu, daß viele Menschen "ihre" Pilze entdecken und
sich in den Sprechstunden der mykologisch orientierten Therapeuten einfinden. Das ist sicher ein
vorübergehendes Phänomen, wie häufig nach vergleichbaren Kampagnen beobachtet.

Eine sachliche Diskussion unter Zugrundelegung moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse ist notwendig.
Es sich gezeigt, daß die herkömmliche Stuhlprobenanalytik nicht mehr den heutigen diagnostischen
Anforderungen genügt. Semiquantitative Zahlen allein sind nicht aussagekräftig genug. Ihre Interpretation
bedarf der Korrelation zum klinischen Bild. Darüber hinaus ist parallel zur Stuhlprobe auch ein
Zungenabstrich zu untersuchen. Dies reduziert die Zahl der falsch negativen Stuhlergebnisse häufig
drastisch.

Die Erforschung von Virulenzfaktoren ist zur Charakterisierung der Pathogenität von Hefen
richtungsweisend. Hefepilze sind unter bestimmten Umständen in der Lage, über ein sogenanntes
"Phenotype-switching" ihr Wachstumsverhalten zu ändern. In-vitro-Versuche sprechen dafür, dass bei
Kohlenhydratmangel die Hefen zur Fadenbildung übergehen und so die Darmschleimhaut attackieren
können.

Ein weiteres Pathogenitätsmerkmal ist die Exprimierung von proteolytischen Enzymen. Diese Enzyme
befähigen pathogene Hefen wie Candida albicans, sich an der Haut beziehungsweise Schleimhaut des
Wirtes festzusetzen. Deshalb ist von der Labordiagnostik zu fordern, in Zukunft sich stärker auf
stoffwechselphysiologische, toxische und virulente Faktoren der Keime zu konzentrieren.