Mykologie allgemein / Geschichte


Einleitung:

Der älteste Wissenszweig innerhalb der Mikrobiologie ist die Mykologie. Lange vor den Bakterien wurden die Pilze entdeckt. Den Beginn der Mykologie als Wissenschaft kennzeichnen nur wenige Zeilen:

Die Beschreibung der Pilzhyphen des Kopfgrinds durch J. L. Schönlein im Jahre 1839. Ohne Kenntnis der Publikation Schönleins entdeckte D. Gruby 1841 noch einmal den Erreger des Favus und zwei Jahre später den Mikrosporiepilz, den er nach seinem verehrten Lehrer Mikrosporon Audouini nannte. R. Virchow führte den Begriff "Dermatomykosen" in die Humanpathologie ein.

Die Jahrhundertwende und folgende Jahrzehnte wurden vor allem durch die Arbeiten von Sabouraud geprägt. Es ist das unvergängliche Verdienst von Sabouraud, in seinem klasisschen Werk "Les teignes" im Jahre 1910 ausführliche Beschreibungen aller bis dahin aufgefundenen Arten gegeben zu haben. Sabouraud war der erste, der eine Systematik der Dermatophyten aufstellte. Dem Brauch der damaligen Zeit entsprechend, erfolgte die Unterteilung der Pilze in 3 Gattungen nicht nach ihren botanischen Eigenschaften, sondern nur nach ihrer Herkunft aus einem bestimmten Krankheitsbild.

Der tragische Irrtum, an dem die Medizinische Mykologie noch heute krankt, besteht in der Annahme, ein bestimmter Pilz und ein bestimmtes Krankheitsbild würden sich in allen Fällen ganz genau entsprechen, mit anderen Worten: Jede Pilzart würde ein ganz spezifisches Krankheitsbild hervorrufen. Infolgedessen könne aus dem Krankheitsbild selbst der spezifische Erreger erkannt werden (1). Dieses "Gesetz von der Spezifität der Dermatophyten" fand viele Anhänger, nicht zuletzt weil es einen Schluss auf den Erreger
erlaubte, ohne eine mykologische Untersuchung durchzuführen.

Leider beruhte dieses Gesetz auf falschen Vorraussetzungen, nämlich auf der Annahme, die Eigenschaften der Pilze seien mit Sicherheit aus den Krankheitserscheinungen zu erkennen. Die Mitwirkung des befallenen Organismus am Krankheitsbild wurde als untergeordnet beurteilt. Die später einsetzende gerechte Würdigung der Tatsachen führte jedoch zu zwei Erkenntnissen:

1. Verschiedene Pilze können gleiche Krankheitsbilder hervorrufen.

2. Gleiche Pilze können verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen.

Diesen Erkenntnissen in vivo entsprechen Beobachtungen in vitro, die zunächst ebenfalls falsch gedeutet wurden. Bei jeder Abweichung vom zuerst beschriebenen Aussehen glaubt man, schon wieder einen neuen Pilz entdeckt zu haben. Dies führte zu einer Unsumme von neuen Namen. Allmählich traten aber Zweifel auf, ob es wirklich um verschiedenartige Pilze handelte.

Alle Pilze, die nicht in ein natürliches, auf den sexuellen Fruchtformen beruhendes System eingeordnet werden können, fasst man in ein künstliches System zusammen und nennt diese Pilze alle zusammen Fungi imperfecti, d. h. unvollkommen bekannte oder unvollständig entwickelte Pilze. In diesem System werden die Pilze aufgrund der verschiedenen asexuellen Fruchtformen und weiterer morphologischer, physiologischer und anderer Unterschiede zusammengestellt. Da jedoch ganz verschiedenartige Merkmale ausgebildet werden können, je nach Nährboden, Temperatur, Jahreszeit usw., ist eine Standardisierung und Normung der Methoden notwendig, da sonst ein und derselbe Pilz in ganz verschiede Gattungen und
Arten eingeordnet werden kann.

In der Tat ist es in der Vergangenheit so gewesen, dass der gleiche Pilz in verschiedene Gattungen und Arten gestellt wurde und deshalb verschiedene Namen erhalten hat (Synonyme). Ferner ist zu bedenken, dass verschiedene Pilze unter bestimmten Bedingungen sehr ähnlich oder gleich aussehen können. So kommt es, dass ganz verschiedene Pilze denselben Namen bekommen haben.

Die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben haben, müssen jedoch überwunden werden. Zu diesem Zweck ist es notwendig sich auf einheitliche Methoden zu einigen. Ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg war es, die spindelförmigen Makrokonidien der Dermatophyten bevorzugt zur Bestimmung zu verwenden. Diese Makrokonidien werden jedoch nur in der Kultur, also in der saprophytären Phase gebildet, nicht in der parasitären. Zur exakten Identifizierung gehört also unbedingt die Kultur auf einem geeigneten Nährboden.