Hefepilze / Blastomyceten

1. Allgemeine Eigenschaften und Einteilung

Hefen (vom mittelhochdeutschen Wort Heffe = heben) sind eine sehr heterogene Gruppe von verschiedenen Pilztaxa. Sie sind Einzeller, die sich durch Sprossung (Knospung) vermehren: Aus der Zellwand stülpt sich eine "Knospe" aus, die nach Einwandern des Zellkerns und aller sonstiger zytoplasmatischer Organellen von der Mutterzelle durch eine an der Knospungstelle gebildete Zellwand geschieden wird. An dieser präformierten Bruchstelle verbleibt bei der Mutterzelle nach der Ablösung der Tochterzelle, die schon durch geringe Scherungskräfte bewirkt wird, eine typische Sprossungsnarbe. Es können aber auch Sproßzellketten erhalten bleiben.
Eine sichere Unterscheidung von anderen Pilzen und Pilzsporen erfordert den Nachweis von Knospung bzw. Sprossung. In nährstoffarmen oder erschöpften Substraten (wie sie auch im infizierten Wirtsgewebe angetroffen werden) tritt bei manchen Hefezellen eine Längsstreckung auf, wobei sich apikal gewöhnlich ein Kranz ovaler Zellen mit typischen Knospungsstadien entwickelt. Dieses sogenannte Pseudomycel bricht bei mechanischer Einwirkung, etwa mit der Impföse, an den Polen benachbarter Zellen leicht auseinander, im Gegensatz zum schwer zerstörbaren, echten Mycel anderer Pilze. Die Bildung von Pseudomycel wird im Labor mit Reis- oder Maismehlagar provoziert.
Da die morphologischen Formen bei Hefen nicht so ausgebildet sind wie bei anderen Pilzen, lassen sie sich anhand der Mikromorphologie kaum differenzieren. Die biochemischen Leistungen sind ausgeprägter und daher ein wertvolles Differenzierungsschema.

Die Klassifizierung von Hefen beruht auf dem mikroskopischen Bild der Zellen, ihrer Art der Vermehrung und den physiologischen und biochemischen Merkmalen.

Hefen werden aufgrund ihrer sexuellen Vermehrung in drei verschiedene Gruppen eingeteilt:

 

- Ascomyceten
(Sie vermehren sich sexuell durch die Bildung von sogenannten Ascosporen, welche von zwei konjugierten, diploiden Zellen oder von einer Mutterzelle mit Knospe gebildet werden)

 

- Heterobasidiomyceten
(sind charakterisiert durch die Bildung von sexuellen Teliosporen und asexuellen  Endosporen)

 

- Deuteromyceten
(von diesen Hefen ist keine sexuelle Vermehrung bekannt. Deswegen werden sie auch Fungi imperfecti genannt)

 

Die pathologischen Eigenschaften von Sproßpilzen werden unter anderem von ihrer Fähigkeit bestimmt, gewisse Enzyme zu bilden. So befähigt die Produktion von Esterasen, Lipasen und sauren bzw. alkalischen Phosphatasen die Hefen unter Umständen dazu, Zellwände zu penetrieren und ins Gewebe einzudringen. Selbst gemeinhin als apathogen betrachtete Hefen wie die Bäckerhefe können so pathologische Relevanz erlangen. Die Folge sind dann Organ- oder Systemmykosen, die meist initial als Fungiämie oder Septikämie, in Lunge, Ösophagus, Leber, Milz, Nieren, Gehirn, Auge und andernorts auftreten können (Reihenfolge in absteigender Häufigkeit).
Besonders gefährdet sind abwehrgeschwächte Menschen infolge schwerer Grundkrankheiten, eingreifender Therapieformen oder mit Verweilkathetern. Beim Versagen angemessener antibakterieller Therapie und Ausschluß anderer ätiologischer Faktoren muß an Organmykosen gedacht werden!


Candida

Diese Gruppe der Hefen besteht aus 155 Species. Sie können als Kontaminanten saprophytär auftreten oder als pathogene Species vor allem bei immunsupprimierten oder geschwächten Patienten bis zum Tode führen. Candida species haben generell runde bis ovale vegetative Zellen, die sich durch Sprossung vermehren. Unter bestimmten Bedingungen können sich Blastosporen verlängern und Pseudomycel bilden, ebenso kann echtes Mycel vorkommen. Sproßpilze der Candidagruppe bzw. der Gattung Torulopsis siedeln sich nicht selten auf den Schleimhäuten des Nasen-Rachen raums oder des Darmlumens in geringer Zahl an - ohne erkennbar nachteilige Folgen für den Wirt. Dabei stellt sich ein Gleichgewichtszustand ein, welcher es den Sproßpilzen erlaubt, sich als harmlose Kommensalen ihr Leben zu fristen. Bei Änderung der lokalen oder allgemeinen Resistenz- und/oder Immunitätslage ist dieses Gleichgewicht nicht mehr gegeben, und die auf der Haut bzw. den Schleimhäuten vorhandenen fakultativ pathogenen Pilze, vor allem Candida albicans, können zu Infektionen führen. Man spricht in diesem Fall auch von endogenen Infektionen. Exogene Infektionen sind aber ebenfalls möglich.

 

1. Candida albicans

Bereits im Jahre 1853 wurde die Art von Robin als "Oidium albicans" beschrieben, als der Erreger von Soor. Es handelt sich um die häufigste aus klinischem Material isolierte Species. Sie wird vor allem aus dem Nasen-Rachenraum, aus dem Intestinaltrakt, der Vagina und von den Schleimhäuten isoliert. Die Art kann bei immungeschwächten Patienten oberflächliche Mykosen mit mehr oder weniger schwerem Ausgang verursachen.
Bei immunsupprimierten Patienten kann sie systemische Infektionen verursachen. Weitere Faktoren wie Schwangerschaft, Diabetes, Drogenabhängigkeit, Corticosteroide, Antibiotika und Cytostatika können eine Besiedelung erleichtern. Weitere Vorkommen sind: Erde, Wasser, Gemüse u. a.

Kulturelle Eigenschaften:
Nach 24 h finden sich auf Sabouraud-Agar kleine, glatte, weiße bis cremefarbene Kolonien, die eine Membran haben können. Teilweise können die Kolonien von Mycel umgeben sein. Die optimale Wachstumstemperatur beträgt 25 - 37 °C. Auf RAT (Reis-Agar- Tween) bilden sich kleine ovale Sproßpilze mit dünnen Wänden. Es wächst ein Pseudomycel mit vielen Blastosporen. Typisch für C. albicans ist die Bildung von Chlamydosporen auf nährstoffarmen Medien.


2. Candida glabrata (Syn. Torulopsis glabrata)

Ebenso wie Candida albicans ist Candida glabrata ubiquitär verbreitet. Auch er kommt im Nasen- Rachen-, im Intestinal- und im Urogenitaltrakt des Menschen vor. Bei Kühen ruft er eine Mastitis hervor und er wird als Kontaminationskeim von Obstsäften gefunden. Als pathogener Keim ist er bekannt von Carcinompatienten, Diabetikern und Langzeitherapierten. Er weist ein anderes Stoffwechselprofil als Candida albicans auf. Diese Tatsache wird sich bei der Artbestimmung zunutze gemacht.
Seine Enzymaktivitäten befähigen ihn als potentiell pathogenen Keim.
Kulturelle Charakteristika:
Auf Sabouraud-Agar wächst C. glabrata in Form von cremefarbenen, weichen und glänzenden Kolonien. Auf RAT bildet er kein Pseudomycel. Bei einigen Stämmen können kurze Ketten von Zellen gebildet werden.


3. Candida famata (Syn. Torulopsis candida)

Die perfekte Form von Candida famata wird Debaromyces hansenii genannt. Er ist ein weit verbreiteter Kontaminant aus der Luft, der Lebensmittel verunreinigen kann. Aus klinischem Material wird er vor allem bei Hautläsionen, Nagelinfekten, bei Darmmykosen und aus Sputum isoliert. Für sein Stoffwechselprofil gelten die vorher genannten Fakten.

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar bildet der Pilz weiß-graue bis cremefarbene, glatte, matte Kolonien, die mit zunehmendem Alter runzlig werden. Auch er bildet auf RAT kein Pseudomycel, sondern höchstens kurze Ketten aus runden oder ovalen Zellen.
Die Asci von Debaromyces hansenii enthalten 1 - 2 runde, rauhe Ascosporen.


4. Candida inconspicua (syn. Torulopsis inconspicua)

Die perfekte Form dieses Keimes ist nicht bekannt. Diese Spezies wurde vor allem bei geschwächten Patienten aus dem Sputum und von Zungenabstrichen isoliert. Isolate aus Wasser und gezuckerten Getränken sind ebenfalls bekannt.

Auf RAT wird ein ganz einfaches Pseudomycel gebildet. Ketten von zylinderförmigen oder ovalen Zellen können gebildet werden.


5. Candida humicola (Syn. Cryptococcus humicolus)

Die perfekte Form dieses Keimes ist nicht bekannt. Candida humicola ist ein Bodenkeim, der von Pilzen und aus Wasser isoliert wurde. Seine Enzyme befähigen ihn, fast alle Arten von Kohlenhydraten zu fermentieren. Er kommt auch im menschlichen Organismus vor und wird vor allen Dingen aus Sputum und von Hautabstrichen isoliert. Obwohl Candida humicola keine sexuelle Vermehrung aufweist, wird er den Heterobasidiomyceten nahstehend angesehen. Das ergaben DNA-Vergleiche.

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar bildet C. humicola beige bis cremefarbene Kolonien, die glatt und glänzend, selten faltig sind. Auf RAT wird Mycel und Pseudomycel gebildet. Die Blastosporen lassen sich nur schlecht erkennen.


6. Candida guilliermondii

Die perfekte Form von Candida guilliermondii heißt Pichia guilliermondii. Es handelt sich um einen ubiquitär vorkommenden Luftkeim (Luft, Wasser, Blumen), der auch Lebensmittel kontaminieren kann. Auch er kann außergewöhnlich viele Kohlenstoffquellen verstoffwechseln. Er ist hochpathogen und kann Endocarditis bei Drogenabhängigen, Septikämien nach cardiovasculären Eingriffen, Meningitis, Nagelmykosen und Hautaffektionen hervorrufen.

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar wächst Candida guilliermondii in Form von weißen bis cremefarbenen, glatten Kolonien, die nach einigen Tagen matt und faltig werden. Auf RAT wird ein üppiges Pseudomycel gebildet, das Trauben von Blastosporen enthält. Die Asci von Pichia guilliermondii enthalten 1 - 4 hutförmige Ascosporen, die nach der Bildung freigesetzt werden. Ascosporen werden nur in Mischkulturen mit einigen anderen Stämmen gebildet. Candida guilliermondii läßt sich oft schwer von Candida famata unterscheiden.


7. Candida krusei

Die perfekte Form von Candida krusei heißt Issatchenkia orientalis. Im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Arten kann er weit aus weniger Kohlenstoffquellen verstoffwechseln. Candida krusei wird aus Sputum, Nägeln, Bronchien, Vagina, bei Endocarditis und kindlichen Durchfällen isoliert. In den letzten Jahren steigt seine Bedeutung als Errgeger systemischer Mykosen (Merz, W.G. et al. 1986). C. krusei wird aber auch in Kakao, Wein, Konfitüre, Joghurt und Obstsäften gefunden.

Kulturelle Eigenschaften:
Candida krusei wächst auf Sabouraud-Agar als weiße bis cremefarbene Kolonie, welche mit dem Alter faltig und schrumplig wird. Die Kolonieränder werden unregelmäßig und sind von Pseudomycel umgeben. Die Kulturen können einen säuerlichen Geruch haben. Auf RAT bildet sich ein Pseudomycel mit feinen langen Zellen, die von kranzförmig angeordneten Blastosporen an den Verbindungspunkten umgeben sind. Die Asci von Issatchenkia orientalis enthalten 1 - 2 runde, glatte oder rauhe Ascosporen.


8. Candida lambica

Die perfekte Form von Candida lambica wird Pichia fermentans genannt. Diese Species ist Candida krusei sehr ähnlich, mit welcher sie früher auch zusammen klassifiziert war. Auch die Stoffwechselprofile beider Arten ähneln sich bis auf wenige Einzelheiten.
Auch diese Art wird häufig als Kontaminant von Lebensmitteln gefunden (Bier, Milchprodukte, Obstsäfte, Kartoffeln etc.). Aus klinischem Material wird sie relativ selten isoliert.

Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonien ähneln denen von Candida krusei. Auf RAT ist reichlich Pseudomycel aus feinen und langen Zellen vorhanden, das seinerseits wieder kurze Blastosporen trägt. Die Asci von Pichia fermentans sind durchscheinend und enthalten 2 - 4 hutförmige Ascosporen.


9. Candida lipolytica, (auch Yarrowia lipolytica)

Die perfekte Form von Candida lipolytica heißt Saccharomycopsis lipolytica. Diese Species wurde aus Weizen, Erde, Fett, gezuckerten Getränken, bei Tieren und aus humanem Material isoliert (Blutkultur, Hornhaut, Lungengewebe).

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar bildet diese Art cremefarbene, glatte oder leicht faltige Kolonien. Auf RAT bildet diese Species viel Pseudomycel und Mycel. Die Blastosporen sind als kurze Ketten oder kranzförmig am Mycel angelagert. Freigesetzte Arthrosporen können vorhanden sein. Die Asci von Saccharomycopsis lipolytica enthalten 1 - 4 ovale, hutförmige oder halb runde Ascosporen


10. Candida tropicalis

Die perfekte Form dieser Art ist unbekannt. Diese Species wurde aus Blut, Urin, Sputum, Vaginalabtrichen, Nagelmykosen, Bronchiallavagen und Sinusflüssigkeit isoliert. Candida tropicalis hat durch ihre oft höhere Virulenz als Candida albicans, vor allem bei geschwächten Patienten an klinischer Bedeutung gewonnen. Die hohe Resistenz gegen Medikamente hat schon zu Therapieversagen geführt (Ahearn et. al. 1984). Die Art kann aber auch aus Wasser, Erde, Fisch oder Früchten isoliert werden.
Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar wächsts C. tropicalis als weißliche, glatte und cremige oder leicht faltige Kolonie. Der Rand der Kolonie wird oft von Mycel umgeben. Auf RAT ist reichlich Pseudomycel vorhanden, das baumartig aussieht und einzelne oder kurze Ketten oder Trauben von Blastosporen trägt. Echtes Mycel kann ebenfalls gebildet werden. C. tropicalis kann manchmal ovale Chlamydosporen bilden, die sich aber denen von C. albicans gut unter scheiden lassen.


11. Candida rugosa

Die perfekte Form dieser Art ist unbekannt. Sie kommt im Intestinaltrakt von Tieren und Menschen vor und kann bei geschwächten Menschen verschiedene Krankheiten hervorrufen. Ferner wurde sie in Sputum gefunden. Außerdem wird sie aus Milchprodukten, Obstsäften und als Umgebungskeim isoliert.

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar wachsen glatte oder faltige Kolonien, die in der Farbe von schmutzigem Weiß bis gelbgrau variieren. Auf RAT wir ein kurzes, stark verzweigtes Pseudomycel ohne Blastosporen gebildet.


12. Candida parapsilosis (Syn. Candida parakrusei)

Die perfekte Form von Candida parapsilosis ist unbekannt. Diese Hefe ist weit verbreitet und wird häufiger in klinischem Material gefunden. Besonders in Kliniken ist Vorsicht geboten, da sie für Endocarditis bei Herzkathetern oder bei Patienten nach cardiovaskulären Eingriffen verantwortlich sein kann.
Weitere Krankheitsbilder sind Nagel- und Hornhautmykosen. C. parapsilosis kommt ebenfalls im Intestinaltrakt, auf der Haut und bei Hautmykosen vor. Als Umweltkeim ist sie für industrielle Kontaminationen verantwortlich.

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar wächst C. parapsilosis als weiße bis beige Kolonien, die glatt und glänzend bis leicht faltig sind. Auf RAT wird reichlich Pseudomycel aus Ketten von langen Zellen, an denen Trauben von Blastosporen hängen, gebildet., ähnlich wie C. guilliermondii und C. humicola ist C. parapsilosis in der Lage außergewöhnlich viele Kohlenhydratquellen zu verstoffwechseln.


13. Candida lusitaniae

Die perfekte Form dieser Art heißt Claviaspora lusitaniae. Es handelt sich um einen gewöhnlichen Umweltkeim, der aus folgenden klinischen Materialien isoliert wurde: Urin, Sputum, Haut und Schleimhäute. Er wurde bei systemischen Mykosen bei immunsupprimierten Patienten gefunden.
Außerdem wurde der Keim aus Milch von Kühen mit Mastitis isoliert. Diese Species scheint im Zusammenhang mit der Resistenz gegen Amphotericin B eine Rolle zu spielen (Merz et. al. 1984; Pensler et. al., 1985).

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar sind die Kolonien cremefaben, glatt und glänzend. Auf RAT wird gut entwickeltes Pseudomycel gebildet, das Ketten von Blastsporen trägt. Die Asci von Clavispora lusitaniae enthalten 1 - 4 Ascosporen, die leicht freigesetzt werden.


14. Candida zeylanoides

Die perfekte Form von Candida zeylanoides ist unbekannt. Diese Species wird manchmal aus klinischen Materialien wie Stuhl, Sputum, Zungenabstrichen oder Haut isoliert. Außerdem ist er ein Kontaminant von Getränken, Erde oder Meerwasser.

Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonien sind beige bis gelb (auf Sabouraud-Agar). Sie sind glatt oder cremig und flach. Auf RAT wird ein Pseudomycel gebildet, das aus langen Ketten von leicht gebogenen Zellen besteht. Die Blastosporen sind rund oder länglich, einzeln, in kurzen Ketten oder als Trauben angeordnet.

 

Für Candida-Arten, die hier nicht angegeben sind, gelten aber ganz allgemein die schon vorher angegebenen Kriterien und Merkmale:
- jede Art hat ein individuelles Stoffwechselprofil
- auf einem Mangelnährboden bilden sich typische Mycelien oder Pseudomycelien
- in klinischen Materialien, insbesondere von immungeschwächten Personen, haben die Arten nichts zu suchen.

 

Hefen / Cryptococcus


I. Die Gattung Cryptococcus

Von den in der Gattung Cryptococcus zusammengefaßten Arten ist praktisch nur Cryptococcus neoformans als humanpathogen anerkannt, wenn gleich gelegentlich andere Arten als Krankheitserreger bei abwehrgeschwächten Patienten beschrieben wurden (z. B. Cryptococcus laurentii). Cryptococcus neoformans ist weltweit verbreitet. Er lebt auf Getreide und Pflanzen sowie im Darm von Vögeln (besonders Tauben), von wo aus er mit dem Kot ins Erdreich gelangt. In Kotpartikeln, auch nach deren Austrocknung, bleibt der Erreger lange Zeit infektionstüchtig und überlebensfähig. Bei geeigneter Bodenbeschaffenheit vermag er sich lange im Boden zu halten und sogar zu vermehren. Er kann sich auch in Nahrungsmitteln finden (Milch mastitiskranker Kühe). Infektionen entstehen meist aerogen durch Inhalation von verstäubtem Vogelkot oder anderem infektiösen Staub.


Die Cryptococcose:
Cryptococcus neoformans, der Erreger der Crytococcose siedelt sich primär in der Lunge an, was in der Regel nur zu flüchtigen, uncharakteristischen Symptomen führt. Ein granulomatöses Bild kann dabei einen Tumor vortäuschen. Die Isolierung aus Sputum gelingt selten. Hämatogen und lymphogen werden weitere Organe befallen, vor allem ZNS, Lymphknoten, Nieren und Haut. Der Verlauf dieser Mykose ist schleichend; unbehandelt führt die ZNS-Cryptococcose (Meningitis) immer zum Tode. Sie kann bis in alle Einzelheiten eine Meningits tuberculosa vortäuschen. Bei AIDS-Patienten tritt diese Krankheit wesentlich häufiger auf. Bei unklaren ZNS- und Lymphknoten-Symptomen ist sie stets in Betracht zu ziehen.

Kulturelle Eigenschaften:
Mikroskopisch erscheinen 5 - 8 µm große Zellen, die von einer dicken Schleimkapsel umgeben sind. Auf Sabouraud-Agar erscheinen nach 48 Std. Kolonien mit 1 - 3 mm Durchmesser, die cremefarben oder hellgelb bis braun sein können. Nach einer Woche werden sie trocken und runzlig. Das Wachstum wird auf Selektivnährböden mit Cyclo-heximid gehemmt. Auf RAT wird sehr selten Pseudomycel gebildet. Die optimale Wachstumstemperatur beträgt 30 - 37°C. Cryptococcus neoformans ist die einzige Species innerhalb dieser Gattung, die bei 37°C wächst.
Ein biochemisches Merkmal ist die rasche Harnstoffspaltung, die auch das Wachstum in Vogelkot ermöglicht. Eine besondere Virulenzeigenschaft stellen die mächtigen Kapseln dar, die der Phygozytose entgegenwirken.
Bei Verdacht auf Cryptococcusmykose sind serologische Untersuchungen hilfreicher als der schwierig zu führende Erregernachweis. Im Frühstadium der Erkrankung können Antikörper gegen Cryptococcen gefunden werden, dann mit Fortschreiten der Erkrankung nur noch Cryptococcus-Antigen. Zu beachten ist hierbei, daß erhöhte Rheumafaktoren falsch positive Ergebnisse liefern können. Das ist klinisch abzuklären und parallel mit zu untersuchen.

 

II. Trichosporon

Diese Gattung gehört zur Familie der Cryptococcaceae und besteht aus verschiedenen Species. Sie wurde 1890 das erste Mal beschrieben. In klinischem Material gelten diese Keime bis auf Trichosporon cutaneum, den Erreger der weißen Piedra, als Opportunisten.

 

II a. Trichosporon cutaneum

Die perfekte Form dieser Art ist unbekannt. Sie wird auch Trichosporon beigelii genannt.
Trichosporon cutaneum wurde weltweit isoliert. Dieser Keim ist für die weiße Piedra, eine Erkrankung der Haare oder von Pelzen verantwortlich. Gelbe oder hellgelbe Knötchen von 1 - 1,5 mm werden an den Haarwurzeln gebildet, das Mycel kann auch die Lederhaut befallen. Die Diagnostik korreliert oft mit dem mikroskopischen Nachweis der typischen Knötchen entlang der Haare. Diese Art kann aber auch die Muskeln, den Respirationstrakt oder das Blut befallen. Trichosporon cutaneum ist auch bekannt als Saprophyt und Kontaminant des Wassers und von Obst. Trichosporon assimiliert eine große Anzahl von Substraten, was die Anwendung in einigen Kläranlagen erklärt.

Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar bildet diese Species ockerfarbene, glatte, flaumige oder faltige Kolonien, matt bis glänzend, die einen glatten Rand haben oder radial gestreift sein können. Auf RAT wird immer segmentiertes Mycel und Arthrosporen gebildet, manchmal auch Pseudomycel und Blastosporen in Ketten oder Trauben.


II b. Trichosporon capitatum

Die perfekte Form dieser Art ist ebenfalls unbekannt. Sie wird auch Geotrichum capitatum genannt. Diese Species wird als Opportunist manchmal aus dem Verdauungstrakt von Mensch und Tier isoliert. In seltenen Fällen kann sie Endocarditis, Encephalitis und Septikämien hervorrufen. Weiterhin ist sie als Kontaminationskeim bekannt.

Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonieform ähnelt der von Trichosporon cutaneum. Sie können cremig oder flaumig sein und leicht erhaben.
Auf RAT wird segmentiertes Mycel mit vielen Arthrosporen gebildet. Elipsenförmige Blastosporen sind entlang dem Mycel oder an den Enden vorhanden.


III. Rhodutorula

Die Gattung Rhodutorula wurde von Harrison 1928 zum ersten Mal beschrieben. Sie besteht aus neun Arten, die durch die Bildung eines karotinoiden Pigmentes gekennzeichnet sind. Dadurch erscheinen die Kolonien gelb oder rot. Die Gattungen Rhodutorula und Cryptococcus sind nahe verwandt. Sie besitzen die gleichen Wachstumseigenschaften und die Zellen haben die gleiche Form und Größe. Wie Cryptococcus sind sie in der Lage, Harnstoff zu hydrolisieren.
Rhodutorula ist ubiquitär in feuchter Umwelt verbreitet. Man kann sie vermehrt an häufig befeuchteten Gegenständen wie Vorhängen von Duschkabinen oder etwa an Rändern von Badewannen finden.
Mögliche Infektionen können schon unterdrückt werden, wenn die Kontaminationsquellen eliminiert ist. Die häufigsten am Menschen gefundenen Rhodutorula Arten sind R. rubra, R. minuta und R. glutinis. Sie wurden beim Menschen bei Lungen- und Niereninfekten, bei Erkrankungen des ZNS, Septikämien oder auch aus dem Gastrointestinaltrakt isoliert. Man fand sie auch in kontaminierten Infusionsflüssigkeiten und Kathetern, wo sie zu schweren Endocarditiden führen kann. In tropischen Regionen sind sie oft auf der Haut zu finden.

Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonien sind lachsfarben bis rot, glatt oder faltig und cremig bis schleimig. Auf RAT bilden alle drei genannten Arten kein oder nur ein spärliches Pseudomycel. Die perfekte Form ist lediglich von R. glutinis bekannt und heißt Rhodosporidium toruloides. Die sexuelle Vermehrung dieser Art geschieht über große Teliosporen am Ende des Filamentes. Es ist eine Autosporulierung des Stammes.


IV. Sporobolomyces

Dieses Taxon besteht aus 7 Arten, u. a. Sporobolomyces salmonicolor und S. roseus. Wie Rhodutorula sind sie pigmentiert, so daß die Kolonien rosa, rot oder orangefarben aussehen. Die vegetative Vermehrung geschieht durch Knospung, durch die Bildung von Pseudomycel oder Mycel und durch die Bildung von nieren- oder sichelförmigen Ballistosporen, die wie Wassertropfen in die Umgebung geschleudert werden können.
Die Arten sind ubiquitär in der Luft und bei Pflanzen, in Milch, Bier und gezuckerten Getränken verbreitet. Gelegentlich werden sie aus klinischem Material und bei Hautverletzungen isoliert.


V. Pichia

Diese Gattung beinhaltet 56 Arten. Eingegangen wird an dieser Stelle nur auf Pichia ohmeri. Dieser Umweltkeim wird sowohl als Kontaminant (Gemüse, Mehl), wie auch aus klinischem Material isoliert (Pleurapunktat bei Endocarditis). Die imperfekte Form dieser Art ist unbekannt. Auf RAT wird viel baumartiges Pseudomycel gebildet; die Ascen enthalten 1 - 4 glatte, kugelige oder hutförmige Ascosporen, die sofort nach der Entstehung freigesetzt werden.


VI. Geotrichum

Die Gattung Geotrichum ist ein gemischtes Taxon, das aus den folgenden Species besteht: Geotrichum candidum, G. capitatum und G. clavatum. Die Gattung gehört nach neuesten Erkenntnissen nicht zu den Schimmelpilzen sondern zu den Hefen. Der Trivialname "Milchschimmel" wurde früher aufgrund des schimmelähnlichen Wachstums vergeben. Inzwischen konnte die Art aufgrund des Feinbaus der Myzelsepten sicher den Hefen zugeordnet werden.
Geotrichum candidum ist ein Saprophyt des äußeren Milieus, den man aus dem Erdboden, aus Abfall, aus Tierexkrementen und von Misthaufen, aus Dünger, verdorbenem Gemüse oder Obst, in Gärung übergegangenen Milchprodukten usw. isolieren kann. Man findet ihn auch als Saprophyten des Menschen, vor allem im Verdauungskanal und nicht selten im Speichel, im Stuhl oder im Expektorat und sogar auf der Haut gesunder Menschen.
Ein durch Krankheit geschwächter Allgemeinzustand, langdauernde Behandlungen mit Antibiotika, Kortikosteroiden oder Immunosuppressiva scheinen Faktoren zu sein, die den Übergang zur Pathogenität fördern. Die Geotrichose entsteht infolge Aberhandnehmens eines Geotrichum.

 

Die Folge können u. a. folgende Erkrankungen sein:

- Krypten-Tonsillitis
- infantile Enterocolitis
- Bronchopneumonien, die eine Tuberkulose vermuten lassen
- Stomatitis, speziell die schwarze Haarzunge

 

Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonien sind anfangs glatt und cremig, später werden sie flaumig. Auf RAT wird ein echtes septiertes Mycel gebildet, das in Arthrosporen zerfällt. Geotrichum vergärt Glucose und Galaktose, hat aber nicht die Fähigkeit zur Proteolyse.


VII. Saccharomyces

Der Gattungsname stammt aus dem Jahre 1839 von Meyen. Zur Gattung gehören 7 Arten, die für ihre Fermentationsleistungen in der Industrie bekannt sind. Saccharomyces cerevisiae wird in Brauereien, Weinkellern und Bäckereien (Bäckerhefe) genutzt. Unter Luftabschluß vergären sie Kohlenhydrate zu Kohlendioxid und Alkohol.
Diese Hefe gehört zu der Normalflora des Rachenraumes und des Intestinaltraktes. Untersuchungen der Enzymleistungen haben ergeben, daß bestimmten Stämmen dieser Art eine pathologische Relevanz zugesprochen werden muß.
Saccharomyces cerevisiae kann für Soor, Vulvovaginits und Harnwegsinfektionen (bei Diabetikern) verantwortlich sein. Erkrankungen der Lunge bei europäischen Bierbrauern sind bekannt. Die Zahl deropportunistischen Erkrankungen durch diese Hefe ist im Anstieg.

Kulturelle Charkteristika:
Die vegetativen Zellen können oval rund oder länglich sein, kurze Ketten sind oft vorhanden. Die Teilung geschieht durch multilaterale Knospung. Die Asci enthalten 1 - 4 runde oder ovale Ascosporen, die nicht freigesetzt werden können.
Alle Arten dieser Gattung assimilieren Saccharose (daher der Name). Spezielle Fermentationsleistungen kennzeichnen spezielle Biotypen und damit die industrielle Nutzung. Durch bestimmte Belüftungsverfahren und Zuckerzufuhr läßt sich die Ethanolentstehung vermeiden, was bei der Herstellung von z. B. Brot von Bedeutung ist.