

Die Gattung Cryptococcus
Von den in der Gattung Cryptococcus zusammengefaßten Arten ist praktisch nur Cryptococcus neoformans als humanpathogen anerkannt, wenngleich gelegentlich andere Arten als Krankheitserreger bei abwehrgeschwächten Patienten beschrieben wurden (z. B. Cryptococcus laurentii). Cryptococcus neoformans ist weltweit verbreitet. Er lebt auf Getreide und Pflanzen sowie im Darm von Vögeln (besonders Tauben), von wo aus er mit dem Kot ins Erdreich gelangt. In Kotpartikeln, auch nach deren Austrocknung, bleibt der Erreeger lange Zeit infektionstüchtig und überlebensfähig. Bei geeigneter Bodenbeschaffenheit vermag er sich lange im Boden zu halten und sogar zu vermehren. Er kann sich auch in Nahrungsmitteln finden (Milch mastitiskranker Kühe). Infektionen entstehen meist aerogen durch Inhalation von verstäubtem Vogelkot oder anderem infektiösem Staub.
Die Cryptococcose:
Cryptococcus neoformans, der Erreger der Crytococcose siedelt sich primär in der Lunge an, was in der Regel nur zu flüchtigen, uncharakteristischen Symptomen führt. Ein granulomatöses Bild kann dabei einen Tumor vortäuschen. Die Isolierung aus Sputum gelingt selten. Hämatogen und lymphogen werden weitere Organe befallen, vor allem ZNS, Lymphknoten, Nieren und Haut. Der Verlauf dieser Mykose ist schleichend; unbehandelt führt die ZNS-Cryptococcose (Meningitis) immer zum Tode. Sie kann bis in alle Einzelheiten eine Meningits tuberculosa vortäuschen. Bei AIDS-Patienten tritt diese Krankheit wesentlich häufiger auf. Bei unklaren ZNS- und Lymphknoten-Symptomen ist sie stets in Betracht zu ziehen.
Kulturelle Eigenschaften:
Mikroskopisch erscheinen 5 - 8 µm große Zellen, die von einer dicken Schleimkapsel umgeben sind. Auf Sabouraud-Agar erscheinen nach 48 Std. Kolonien mit 1 - 3 mm Durchmesser, die cremefarben oder hellgelb bis braun sein können. Nach einer Woche werden sie trocken und runzlig. Das Wachstum wird auf Selektivnährböden mit Cyclo-heximid gehemmt. Auf RAT wird sehr selten Pseudomycel gebildet. Die optimale Wachstumstemperatur beträgt 30 - 37 Grad Celsius. Cryptococcus neoformans ist die einzige Species innerhalb dieser Gattung, die bei 37 Grad Celsius wächst.
Ein biochemisches Merkmal ist die rasche Harnstoffspaltung, die auch das Wachstum in Vogelkot ermöglicht. Eine besondere Virulenzeigenschaft stellen die mächtigen Kapseln dar, die der Phygozytose entgegenwirken.
Bei Verdacht auf Cryptococcusmykose sind serologische Untersuchungen hilfreicher als der schwierig zu führende Erregernachweis. Im Frühstadium der Erkrankung können Antikörper gegen Cryptococcen gefunden werden, dann mit Fortschreiten der Erkrankung nur noch Cryptococcus-Antigen. Zu beachten ist hierbei, dass erhöhte Rheumafaktoren falsch positive Ergebnisse liefern können. Das ist klinisch abzuklären und parallel mit zu untersuchen.
II. Trichosporon
Diese Gattung gehört zur Familie der Cryptococcaceae und besteht aus verschiedenen Species. Sie wurde 1890 das erste Mal beschrieben. In klinischem Material gelten diese Keime bis auf Trichosporon cutaneum, den Erreger der weißen Piedra, als Opportunisten.
II a. Trichosporon cutaneum
Die perfekte Form dieser Art ist unbekannt. Sie wird auch Trichosporon beigelii genannt.
Trichosporon cutaneum wurde weltweit isoliert. Dieser Keim ist für die weiße Piedra, eine Erkrankung der Haare oder von Pelzen verantwortlich. Gelbe oder hellgelbe Knötchen von 1 - 1,5 mm werden an den Haarwurzeln gebildet, das Mycel kann auch die Lederhaut befallen. Die Diagnostik korreliert oft mit dem mikroskopischen Nachweis der typischen Knötchen entlang der Haare. Diese Art kann aber auch die Muskeln, den Respirationstrakt oder das Blut befallen. Trichosporon cutaneum ist auch bekannt als Saprophyt und Kontaminant des Wassers und von Obst. Trichosporon assimiliert eine große Anzahl von Substraten, was die Anwendung in einigen Kläranlagen erklärt.
Kulturelle Eigenschaften:
Auf Sabouraud-Agar bildet diese Species ockerfarbene, glatte, flaumige oder faltige Kolonien, matt bis glänzend, die einen glatten Rand haben oder radial gestreift sein können. Auf RAT wird immer segmentiertes Mycel und Arthrosporen gebildet, manchmal auch Pseudomycel und Blastosporen in Ketten oder Trauben.
II b. Trichosporon capitatum
Die perfekte Form dieser Art ist ebenfalls unbekannt. Sie wird auch Geotrichum capitatum genannt.
Diese Species wird als Opportunist manchmal aus dem Verdauungstrakt von Mensch und Tier isoliert. In seltenen Fällen kann sie Endocarditis, Encephalitis und Septikämien hervorrufen. Weiterhin ist sie als Kontaminationskeim bekannt.
Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonieform ähnelt der von Trichosporon cutaneum. Sie können cremig oder flaumig sein und leicht erhaben.
Auf RAT wird segmentiertes Mycel mit vielen Arthrosporen gebildet. Elipsenförmige Blastosporen sind entlang dem Mycel oder an den Enden vorhanden.
III. Rhodutorula
Die Gattung Rhodutorula wurde von Harrison 1928 zum ersten Mal beschrieben. Sie besteht aus neun Arten, die durch die Bildung eines karotinoiden Pigmentes gekennzeichnet sind. Dadurch erscheinen die Kolonien gelb oder rot. Die Gattungen Rhodutorula und Cryptococcus sind nahe verwandt. Sie besitzen die gleichen Wachstumseigenschaften und die Zellen haben die gleiche Form und Größe. Wie Cryptococcus sind sie in der Lage, Harnstoff zu hydrolisieren.
Rhodutorula ist ubiquitär in feuchter Umwelt verbreitet. Man kann sie vermehrt an häufig befeuchteten Gegenständen wie Vorhängen von Duschkabinen oder etwa an Rändern von Badewannen finden. Mögliche Infektionen können schon unterdrückt werden, wenn die Kontaminationsquellen eliminiert ist.
Die häufigsten am Menschen gefundenen Rhodutorula Arten sind R. rubra, R. minuta und R. glutinis. Sie wurden beim Menschen bei Lungen- und Niereninfekten, bei Erkrankungen des ZNS, Septikämien oder auch aus dem Gastrointestinaltrakt isoliert. Man fand sie auch in kontaminierten Infusionsflüssigkeiten und Kathetern, wo sie zu schweren Endocarditiden führen kann. In tropischen Regionen sind sie oft auf der Haut zu finden.
Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonien sind lachsfarben bis rot, glatt oder faltig und cremig bis schleimig. Auf RAT bilden alle drei genannten Arten kein oder nur ein spärliches Pseudomycel. Die perfekte Form ist lediglich von R. glutinis bekannt und heißt Rhodosporidium toruloides. Die sexuelle Vermehrung dieser Art geschieht über große Teliosporen am Ende des Filamentes. Es ist eine Autosporulierung des Stammes.
IV. Sporobolomyces
Dieses Taxon besteht aus 7 Arten, u. a. Sporobolomyces salmonicolor und S. roseus. Wie Rhodutorula sind sie pigmentiert, so daß die Kolonien rosa, rot oder orangefarben aussehen. Die vegetative Vermehrung geschieht durch Knospung, durch die Bildung von Pseudomycel oder Mycel und durch die Bildung von nieren- oder sichelförmigen Ballistosporen, die wie Wassertropfen in die Umgebung geschleudert werden können.
Die Arten sind ubiquitär in der Luft und bei Pflanzen, in Milch, Bier und gezuckerten Getränken verbreitet. Gelegentlich werden sie aus klinischem Material und bei Hautverletzungen isoliert.
V. Pichia
Diese Gattung beinhaltet 56 Arten. Eingegangen wird an dieser Stelle nur auf Pichia ohmeri. Dieser Umweltkeim wird sowohl als Kontaminant (Gemüse, Mehl), wie auch aus klinischem Material isoliert (Pleurapunktat bei Endocarditis). Die imperfekte Form dieser Art ist unbekannt. Auf RAT wird viel baumartiges Pseudomycel gebildet; die Ascen enthalten 1 - 4 glatte, kugelige oder hutförmige Ascosporen, die sofort nach der Entstehung freigesetzt werden.
VI. Geotrichum
Die Gattung Geotrichum ist ein gemischtes Taxon, das aus den folgenden Species besteht: Geotrichum candidum, G. capitatum und G.clavatum. Die Gattung gehört nach neuesten Erkenntnissen nicht zu den Schimmelpilzen sondern zu den Hefen. Der Trivialname "Milchschimmel" wurde früher aufgrund des schimmelähnlichen Wachstums vergeben. Inzwischen konnte die Art aufgrund des Feinbaus der Myzelsepten sicher den Hefen zugeordnet werden.
Geotrichum candidum ist ein Saprophyt des äußeren Milieus, den man aus dem Erdboden, au Abfall, aus Tierexkrementen und von Misthaufen, aus Dünger, verdorbenem Gemüse oder Obst, in Gärung übergegangenen Milchprodukten usw. isolieren kann. Man findet ihn auch als Saprophyten des Menschen, vor allem im Verdauungskanal und nicht selten im Speichel, im Stuhl oder im Expektorat und sogar auf der Haut gesunder Menschen.
Ein durch Krankheit geschwächter Allgemeinzustand, langdauernde Behandlungen mit Antibiotika, Kortikosteroiden oder Immunosuppressiva scheinen Faktoren zu sein, die den Übergang zur Pathogenität fördern. Die Geotrichose entsteht infolge Überhandnehmens eines Geotrichum. Die Folge können u. a. folgende Erkrankungen sein:
- Krypten-Tonsillitis
- infantile Enterocolitis
- Bronchopneumonien, die eine Tuberkulose vermuten lassen.
- Stomatitis, speziell die schwarze Haarzunge
Kulturelle Eigenschaften:
Die Kolonien sind anfangs glatt und cremig, später werden sie flaumig. Auf RAT wird ein echtes septiertes Mycel gebildet, das in Arthrosporen zerfällt. Geotrichum vergärt Glucose und Galaktose, hat aber nicht die Fähigkeit zur Proteolyse.
VII. Saccharomyces
Der Gattungsname stammt aus dem Jahre 1839 von Meyen. Zur Gattung gehören 7 Arten, die für ihre Fermentationsleistungen in der Industrie bekannt sind. Saccharomyces cerevisiae wird in Brauereien, Weinkellern und Bäckereien (Bäckerhefe) genutzt. Unter Luftabschluß vergären sie Kohlenhydrate zu Kohlendioxid und Alkohol.
Diese Hefe gehört zu der Normalflora des Rachenraumes und des Intestinaltraktes. Untersuchungen der Enzymleistungen (siehe auch Seite 1) haben ergeben, daß bestimmten Stämmen dieser Art eine pathologische Relevanz zugesprochen werden muß.
Saccharomyces cerevisiae kann für Soor, Vulvovaginits und Harnwegsinfektionen (bei Diabetikern) verantwortlich sein. Erkrankungen der Lunge bei europäischen Bierbrauern sind bekannt. Die Zahl der opportunistischen Erkrankungen durch diese Hefe ist im Anstieg.
Kulturelle Charkteristika:
Die vegetativen Zellen können oval rund oder länglich sein, kurze Ketten sind oft vorhanden. Die Teilung geschieht durch multilaterale Knospung. Die Asci enthalten 1 - 4 runde oder ovale Ascosporen, die nicht freigesetzt werden können.
Alle Arten dieser Gattung assimilieren Saccharose (daher der Name). Spezielle Fermentationsleistungen kennzeichnen spezielle Biotypen und damit die industrielle Nutzung. Durch bestimmte Belüftungsverfahren und Zuckerzufuhr läßt sich die Ethanolentstehung vermeiden, was bei der Herstellung von z. B. Brot von Bedeutung ist.