

Frage:
Durch meine Tätigkeit als Vertragsarzt an der hiesigen Polizeischule ist an mich die Frage herangetragen worden, welche effektiven Maßnahmen zur Prophylaxe von Fußpilzerkrankungen, die im letzten Herbst hier gehäuft auftraten, ergriffen werden können. Meine Patienten sind hier in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht und benutzen Gemeinschaftsduschen. Es wurden von der Industrie Sprühanlagen mit zum Teil horrenden Preisen angeboten. Ich halte deswegen eine kompetente Auskunft über notwendige und auch effektive Maßnahmen für erforderlich, um bei einer Anschaffung ärztlichen Rat geben zu können.
Jeder fünfte Bundesbrger hat sie und doch werden Fuß- und Nagelpilze oft als "kosmetisches" Problem abgetan. Behandelt man sie jedoch nicht konsequent, droht eine Ansteckung sowohl der näheren Umgebung als auch eine Ausbreitung auf den Körper. In öffentlichen Schwimmbädern versuchen die Betreiber diesem Problem durch Installation von Desinfektions-Fußduschen Rechnung zu tragen.
Experten haben in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, daß solche Sprühanlagen unsachgemäß verwendet werden und daher ihren Sinn oft gänzlich verfehlen. Manche warnten gar vor der Benutzung dieser Desinfektions-Fußduschen, da in deren Umgebung angeblich besonders häufig Pilze anzutreffen seien. Das liegt daran, da dort durch den Pilz mazerierte Hautschuppen abgespült werden und daher in besonderer Menge anzutreffen sind.
Sinnvoll ist eine solche Sprühanlage nur bei ordnungsgemäßer Anwendung. Der Kontakt mit dem Desinfektionsmittel muß lange und intensiv genug sein. Danach müssen die Füße gut abgetrocknet werden. Doch leider läuft es ja meistens so ab, daß man am Kopf beginnt und sich nach unten vorarbeitet. Für die Füße bleibt nur noch das inzwischen nasse Handtuch übrig. Dann werden die noch feuchten Füße in Strümpfe und Schuhe verpackt, wo die Körperwärme dann ein ideales Pilzklima schafft.
Trockene, warme, gut durchblutete Füße sind die beste Prophylaxe gegen Fußpilze. Darauf sollten die Benutzer solcher Gemeinschaftseinrichtungen hingewiesen werden. Die Füße sollten täglich gewaschen und gut abgetrocknet werden. Danach empfiehlt sich, die Füße mit einer rückfettenden, pH-neutralen oder leicht sauren Pflegesubstanz einzureiben. Die Strümpfe sind täglich zu wechseln. Normale Waschtemperaturen für Strümpfe (40°C) sind ausreichend. Das Material der Strümpfe sollte atmungsaktiv sein, Kunstfasern sind eher ungeeignet. Die Füße sollten in den Schuhen möglichst wenig schwitzen. Feuchte Schuhe sind eventuell auch mehrmals täglich zu wechseln.
Ist es nun dennoch zu einer Mykose der Füße gekommen, sind diese Maßnahmen natürlich erst recht aufrecht zu erhalten. Außerdem muß eine Lokaltherapie mit einem topischen Antimykotikum durchgeführt werden. Sollte dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, stehen auch wirksame systemische Antimykotika zur Verfügung. Die Strümpfe sollten jetzt gekocht werden, da sie infektiöse Sporen enthalten. Die Schuhe sollten mit einem modernen alkoholbasierten Desinfektionsmittel (mit Sprühpumpe) desinfiziert werden. Wesenlich billiger und einfacher ist die Formaldehyd-Desinfektion, die man heute bei der Formaldehyd-Angst der letzten Jahre allerdings kaum noch empfehlen mag. Hierzu wird ein Wattebausch oder Lappen mit einer 3%igen Formalin-Lsung getränkt und zusammen mit der zu
desinfizierenden Kleidung für circa 36 Stunden in einen fest verschlossenen Plastikbeutel verpackt. Danach müssen die desinfizierten Kleidungsstücke mind. 24 Stunden, Schuhe besser doppelt so lange gelüftet werden. Ein Einatmen des Formalins ist dabei dringend zu vermeiden. Richtig durchgeführt, handelt es sich hierbei um ein ausgezeichnetes und billiges Verfahren zur Vernichtung von Pilzsporen in Schuhen und auch Strümpfen.
Literatur:
Reinel, D.: 1996, Hygiene und Desinfektionsmaßnahmen, pilzdialog, Nr. 1, S. 16 - 17.
Haneke, E.: 1996, Trotz effektiver Antimykotika: Fußpilztherapie ist ein Geduldsspiel, Forschung und Praxis. Nr. 220, S. 6 - 9
Frage:
Ich führe erfolgreich Darmsanierungen bei Pilzbefall durch, d. h. ich suche bei vielen Beschwerden auch öfter nach Darmpilzen und werde fündig. Einzusehen ist, daß man während einer Nystatintherapie eine Pilzdiät ohne freie Kohlenhydrate durchführen muß, um den Pilzen die zu entziehen. Die vielfätige Literatur warnt jedoch darüber hinaus vor Reinfektion durch Zahnbürsten, Nagelbürsten, etc. Alles einzusehen. Wie ist es aber mit der möglichen Ansteckung, wenn die evtl. befallenen Gegenstände, wie z. B. Badekleidung völlig getrocknet wurden? Sind die Pilzsporen weiter aktiv und leben auf, wenn sie wieder feucht werden?
Das Wachstum aller Pilze hängt direkt von der Feuchtigkeit der Umgebung ab. Wir kennen das, wenn man feuchten Stoff, Wäsche, etc. längere Zeit unter Luftabschluß aufbewahrt, beginnen die Sachen zu verschimmeln. Sind die Sachen trocken, können sich keinerlei Pilze darin vermehren. Gelangen Pilzsporen in ein feuchtes Mileu, können sie unter günstigen Bedingungen (Nährstoffe, Temperatur, etc.) auskeimen.
Theoretisch ist bei Darmpilzbefall natürlich auch eine Reinfektion durch Badebekleidung, die zwischendurch getrocknet war, möglich. Um dies zu vermeiden sollte die Badebekleidung gewaschen werden.
Hefen und Schimmelpilze sind ubiquitär verbreitet. Schimmelpilze besiedeln oft den Boden und sind wichtige Fäulniserreger. Bei trockenem Wetter werden zahlreiche Sporen freigesetzt, die sich natürlich auch auf der Haut, den Schleimhäuten und den den Haaren ablagern. Sie werden bisweilen in Proben humanen Ursprungs gefunden. Ihr Nachweis hat jedoch meistens keine pathogene Bedeutung. Es handelt sich hier um Kontaminationen. Nur bei immunssupprimierten Patienten ist Vorsicht geboten.
Hefepilze gehören zur kommensalen Hautflora des Menschen. Beim Vorliegen einer Schleimhautmykose sind die von Ihnen aufgezählten Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll und angezeigt. Versuche haben gezeigt, daß selbst völlig ausgetrocknete Pilzkulturen sich durch das Aufbringen von einem Tropfen Wasser wieder zum Leben erwecken lassen. Entsprechend kontaminierte Gegenstände sollten desinfiziert oder vernichtet werden. Für die Desinfektion von Bekleidung können Produkte zur Wäschedesinfektion (z. B. Sagrotan) eingesetzt werden.
Das gleiche gilt für Strümpfe (und Schuhe) beim Vorliegen von Fuß- und -Nagelinfektionen.
Therapiebegleitend sollten die Füße täglich gewaschen und sehr gut abgetrocknet werden. Die Strümpfe sind täglich zu wechseln und zu kochen und die Schuhe zu desinfizieren, um eine Reinfektion zu vermeiden.
Frage:
Es ist bekannt, daß Schimmelpilze auf Nahrungsmitteln giftig sind und diese dann wegzuwerfen sind. Auf der anderen Seite ist aber z. B. auf den Speckseiten fast immer eine Pilzbesiedelung zu finden. Ist dieser Pilz anders zu werten?
Im Jahre 1922 wurde das Grab des ägyptischen Königs Tut-ench-Amun (1347 - 1339 v. Chr.) gefunden. Nach der Entdeckung dieses Grabes kamen etwa 30 Personen, die unmittelbar an der Freilegung oder Erforschung des über 3000 Jahre alten Grabes beteiligt waren, auf unerklärliche Weise ums Leben. Die Weltpresse schrieb vom "Fluch der Pharaonen", da es einerseits keine Erklärung für die mysterisen Todesfälle gab, andererseits aber eine Hiroglyphenschrift in der Grabkammer war "Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharaos stört". Ähnliches wiederholte sich 1973 in der
polnischen Stadt Krakau bei der Eröffnung der Gräber des Jagellionen-Königs Kazimierz (gestorben 1492) und seiner Frau Elzbieta. Damals kamen 12 Personen unter rätselhaften Umständen ums Leben. Die polnischen Wissenschaftler wollten sich jedoch mit einem Fluch nicht zufrieden geben. Es wurden weitere Untersuchungen durchgeführt und man fand neben bis dahin unbekannten Bakterien und Pilzen auch größere Mengen des Schimmelpilzes Aspergillus flavus.
Dieser Schimmelpilz enthält unter anderem die sogenannten Aflatoxine (von Aspergillus flavus). Diese Stoffgruppe war in den 60er Jahren identifiziert worden, als Grund für ein mysterises Sterben von 100 000 englischen Putenkken, die mit verschimmelten brasilianischen Erdnssen gefttert worden waren. Die polnischen Wissenschaftler stellten fest, daß das Aflatoxin jeweils die schwächsten oder für Krankheiten anfälligsten Organe des menschlichen Körpers angegriffen hatte. So war auch zu erklären, daß bei den vielen Opfern der Gräberuntersuchungen in Ägypten oder in Krakau von den Medizinern stets
verschiedene Todesursachen diagnostiziert worden waren, beispielweise Nierenbluten, Herzversagen oder Krebs.
Neben den Aflatoxinen sind noch viele weitere giftige Substanzen bekannt, die von den verschiedenen Schimmelpilzgattungen produziert werden können. Schimmelpilztoxine können über die Nahrung oder Inhalation in den Körper gelangen. Eine weitere Gefahr stellt die Allergisierung durch Schimmelpilzsporen dar. Dieses ist ein großes Probelem, wenn die Wohnräume mit Schimmelpilzen befallen sind. Untersuchungen der WHO unter Prof. Costantini ergaben sogar Zusammenhänge zwischen Arteriosklerose und der Aufnahme von Pilzgiften.
Werden geringe Mengen von Schimmelpilzgiften (Mykotoxinen) über eine längere Zeit aufgenommen, entstehen bei vielen Tierarten und beim Menschen die unterschiedlichsten Vergiftungserscheinungen in der Leber, aber auch an den Nerven, Nieren oder anderen Organen. Voraussetzung für das Vorhandensein von Mykotoxinen ist das Wachstum von Schimmelpilzen, d. h. wo keine Schimmelpilze gewachsen sind, können auch unter keinen Umständen Mykotoxine vorhanden sein. Fast alle Schimmelpilzgifte sind hitze- und säurestabil. Durch Laugung und starke Oxidationsmittel werden sie rasch inaktiviert. Manche, wie etwa die Aflatoxine, werden auch durch UV-Licht zerstört. Diese Methoden sind aber, aus bekannten Gründen, für die "Entgiftung" von Lebensmitteln nicht geeignet.
Wie kann man sich vor Schimmelpilzgiften schützen?
Weder Arzt noch Verbraucher oder Händler sehen einem Schimmelpilz auf einem Lebensmittel an, ob der Pilz Mykotoxine gebildet hat oder nicht. Jedes verschimmelte Lebensmittel muß daher als potentiell giftig angesehen werden und darf daher nicht verzehrt werden. Von dieser Regel gibt es jedoch Ausnahmen. Hier sind zum einen Weichkäse mit Schimmel zu nennen, wie Camembert, Brie, Roquefort, Gorgonzola und andere Schimmelkäse, schimmelgereifte Rohwurst wie manche Salamisorten oder Südtiroler
Bauernspeck.
Man braucht auch nicht jedes verschimmelte Produkt sofort wegzuwerfen. So können Mykotoxine in Brot nicht von der sichtbar schimmeligen Stelle in die noch nicht vom Pilz besiedelten Teile auswandern. Man könnte das Brot also großzügig ausschneiden, da die Toxine in der mit Hohlräumen durchsetzten Krume nicht wandern können.
Bei schimmeligem Obst, das nur sehr wenig Feuchtigkeit enthält, genügt theoretisch großzügiges Ausschneiden. Bei Birnen, Pfirsichen, Aprikosen, Pflaumen, Tomaten und anderen "nassen" Früchten gilt dies in der Regel nicht! In unserer Gesellschaft besteht ein Ekel vor derartigen Produkten, so daß sie wahrscheinlich ohnehin in der Regel vernichtet werden.
Marmeladen, die haushaltsmäßig hergestellt sind (1 Teil Frucht, 1 Teil Zucker), können zwar schimmelig werden, aber es werden in diesen Fällen keine Mykotoxine gebildet. Der Zuckeranteil verhindert dies. Verschimmelte Produkte dieser Art können mit Schnaps beträufelt werden, damit die Sporen nicht wegfliegen können. Anschließend wird 1 - 2 cm tief mit dem Löffel abgehoben. Der Rest kann gegessen werden.
Durch haushaltsmäßige Behandlung, etwa Kochen, Braten oder auch Garen im Druckkochtopf oder Mikrowellenherd werden Schimmelpilztoxine nicht zerstört! Man sollte derartige Produkte auch nicht an Haustiere verfüttern, weil sie für diese ebenfalls giftig sein können. Dagegen kann man sie bedenkenlos kompostieren, da die im Komposthaufen aktiven Mikroorganismen die Toxine verstoffwechseln und diese damit unwirksam werden.
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß man mit verschimmelten Nahrungsmitteln, Kosmetika, etc. möglichst vorsichtig umgehen muß, damit keine Sporen aufgewirbelt werden. Viele Menschen reagieren auf solche Stäube allergisch. Manche Pilze können auch in der Lunge anwachsen, was zu sehr schweren und schlecht bekämpfbaren Erkrankungen führt.
Es gibt in jedem Haushalt Reservoire für Schimmel. Brotfach, Kühlschrank oder Geschirr mit rissiger Glasur, Kachelfugen, etc. daher regelmäßig mit einem Spülmittel reinigen und dann mit Essigwasser abwischen. Nicht abtrocknen! Erst, wenn die Oberfläche nicht mehr nach Essig riecht, den Kühlschrank oder das Fach schließen.
Literatur:
Dörfelt,H. (1989) Lexikon der Mykologie, Gustav-Fischer-Verlag, Stuttgart.
Müller, E., Löffler, W. (1982), Mykologie, Grundriß für Naturwissenschaftler und Mediziner, Thieme-Verlag, Stuttgart, 4. Auflage.
Roth, L., Frank, H., Kormann, K. (1990), Giftpilze, Pilzgifte: Schimmelpilze, Mykotoxine; Vorkommen, Inhaltsstoffe, Pilzallergien; ecomed, Landsberg a. L.
Roth, L., Daunderer, M., Kormann, K. (1987), Giftpflanzen - Pflanzengifte/Allergische und phototoxische Reaktionen, ecomed, Landsberg a. L., 3. Auflage.
Seebacher, C., Blaschke-Hellmessen, R., (1990), Mykosen - Epidemiologie - Diagnostik - Therapie,
Fischer-Verlag, Jena.
Weber, H., (1993), Allgemeine Mykologie, Gustav-Fischer-Verlag, Jena.
Wegmann, T., (1988), Medizinische Mykologie - ein praktischer Leitfaden, Editiones Roche, Basel.