

Hefen wie Candida albicans sind fakultativ pathogene Sproßpilze, die sich durch Sprossung oder Teilung vermehren. Darüber hinaus sind sie in der Lage, sowohl Pseudomyzel als auch echtes Myzel zu bilden. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Fähigkeit, sogenannte Chlamydosporen zu bilden. Darüber hinaus weisen pathogene Hefen wie Candida albicans gegenüber apathogenen Hefen eine hohe Adhärenzfähigkeit auf. Diese Adhärenzfähigkeit ist die Voraussetzung für eine mykotische Besiedelung von Schleimhäuten und damit ein wichtiger Pathogenitätsfaktor. Die Adhärenz ist so stark, dass sich die Hefen weder durch Abwischen noch durch Fließbewegungen von Urin, Blut oder Darminhalt von der infizierten Oberfläche entfernen lassen. Eine orogastro-intestinale Candida-Mykose mit entsprechendem Nachweis von Virulenzfaktoren wird üblicherweise mit einem Polyenantimykotikum (Nystatin) und einer mikrobiologischen Stimulierung der Kolonisationsresistenz durch hierfür geeignete Probiotische Substanzen behandelt. Nicht selten zeigt sich jedoch in den der Therapie folgenden Kontrolluntersuchungen eine ähnliche Besiedelungsdichte wie sie vor Beginn der Therapie bestanden hat.
Faktoren, die zu Rezidiven führen können:
Die mikrobiologische Therapie war nicht ausreichend, weil:
- das darmassoziierte Immunsystem zu stark geschwächt war und eine längere Stimulation in Verbindung mit immunologisch wirksamen Stoffen wie Zink, Selen etc. erforderlich wäre.
Diagnostisch empfiehlt sich in diesem Fall, das sekretorische IgA im Stuhl zu bestimmen, um von Anfang an Hinweise auf die erforderliche Therapiedauer zu haben
- die Störung der Kolonisationsresistenz so ausgepägt war, dass ebenfalls eine längere Substitution mit Darmbakterien erforderlich wäre. Hinweise darauf liefert eine bakterielle Untersuchung des Stuhles.
Neuere Forschungsergebnisse (Hauss 2002) weisen auf einen weiteren Rezidivgrund hin:
Virulente Hefen vermögen sich in Monozyten (Makrophagen) zu verstecken. Normalerweise sind die Monozyten als antigenpräsentierende Zellen ein wichtiger Baustein in unserer Pilzabwehr. Sie zerstören die Hefen, zerlegen die Oberflächenstrukturen der Zellen in "mundgerechte" Stücke, um sie dann auf ihrer Oberfläche mit Hilfe bestimmter Molekülstrukturen (MHC-Moleküle, Adhäsiosmoleküle) den entsprechenden B- und T-Zellen anzubieten. So kommt die Immunantwort in Gang. Virulente Hefen jedoch werden durch die Monozyten nicht getötet, sondern sind in der Lage, sich in den Makrophagen zu verstecken, zu vermehren und später ihrerseits die Freßzelle abzutöten (Escapeverhalten).
Auf diese Weise können die Hefen sich dem Einfluß des Antimykotikums entziehen und gleichzeitig durch die Verringerung der Makophagenzahl das darmassoziierte Immunsystem ganz wesentlich schwächen.
Die Hefen sind dann erneut nachweisbar, die Makrophagenzahl ist deutlich reduziert und damit das darmassoziierte Immunsystem ganz wesentlich geschwächt.
Das Escapeverhalten von virulenten Hefen der Gattung Candida konnte durch eine Arbeitsgruppe (Dalcilic, E. et. al, Candida and Candidamycosis) erstmals 1991 gezeigt werden. Der Nachweis jedoch in der mykologischen Routinediagnostik nicht etablierbar. Aufgrund eines Fehlens gesicherter diagnostischer Möglichkeiten ein Escapeverhalten sicher nachweisen zu können, kommt der biokatalytischen Rezidivprophylaxe mittels proteolytischer Enzyme im Sinne einer Aktivierung der Makrophagen eine große Bedeutung zu, wobei sich in einer Praxis/Labor-Studie gezeigt hat, dass der Stuhlmarker Alpha-1-Antitrypsin deutlich hinweisenden Charakter auf das Escapeverhalten hat.
Stimulation der Makrophagen durch Verringerung freier Transportproteine durch systemisch wirkende pflanzliche Enzyme:
Ganz wesentliche Bedeutung haben offenbar an dieser Stelle die Antiproteinasen (z. B. Alpha-1-Antitrypsin). Der Organismus kann es sich nicht leisten, eiweißspaltende Enzyme im Blut oder in der Lymphe sich selbst zu überlassen. Nach ihrer Aufnahme aus dem Darm werden proteolytische Enzyme an Transportproteine gebunden. Die Blutkonzentration der freien Transportproteine (Alpha-1-Antitrypsin und Alpha-2-Makroglobulin) wird dadurch gesenkt. Durch eine hohe Konzentration von Alpha-2-Makroglobulin im Blut werden die Zellen des Immunsystems in ihrer Entwicklung negativ beeinflußt. Senkt man die Menge der freien Antiproteinasen im Blut z. B. durch die Gabe von Enzymkombinationspräparaten, wird dieser negative Faktor beseitigt und die Zellen des mononukleär-phagozytären Systems werden stimuliert. Die Makrophagen sorgen somit u. a. dafür, dass die Menge der Transportproteinasen in einem physiologischen "steady state" bleibt.
Eine pathologische Verringerung der Menge von Antiproteinasen führt zu einer Malabsorption von Enzymen. Eine Erhöhung der Transportproteine bedingt eine verstärkte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut und führt zu einem "Leaky-Gut-Syndrom". Eine steigende Prävalenz von Allergien ist die Folge.
Eine verringerte Makrophagenzahl, bedingt durch das Escapeverhalten der virulenten Hefen, führt demnach zu einer Erhöhung des Alpha-1-Antitrypsins im Stuhl, was sich labordiagnostisch messen läßt.
Therapeutisch läßt sich daraus ableiten, dass oral verabreichte, pflanzliche Enzyme (z. B. regazym plus, 3x1 Drg. nach dem Essen) aufgrund ihrer Verbindung mit den Transportproteinen jene Molekülgruppen der Enzyme blockieren, die allergische Reaktionen auslösen können. Das erklärt, warum nach oraler Enzymgabe kaum allergische Reaktionen auftreten. Allergene, Toxine, Makromoleküle und Abbauprodukte wie Indol und Skatol werden deutlich weniger durch die Darmwand transportiert. Das führt zu einer Abnahme der Allergie- und Intoxikationssymptomatik. Proteolytische Enzyme erhöhen die Aktivität der Makrophagen, die Anzahl nimmt zu und die Membran wird gestärkt.
Für die Therapie der rezidivierenden Candidose ergibt sich daraus folgendes: Um das Escape-Verhalten der Hefen zu verhindern, sollten parallel Nystatin für 7 Tage und regazym plus für ca. 4 Wochen gegeben werden.
Unabhängig davon können natürlich das darmassoziierte Immunsystem und die Kolonisationsresistenz mit einer mikrobiologischen Therapie unterstützt werden.
Die positiven Effekte systemisch wirksamer, säurestabiler Enzyme (regazym plus) bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen:
Verbesserung der zellulären Immunabwehr durch Aktivierung der Makrophagen und Verminderung der Zahl an Transportproteinen.
Verbesserung der humoralen Immunabwehr durch Verhinderung von Fehlinterpretationen.
Auflösung pathologischer Immunkomplexe.
Verbesserung der Durchblutung durch Fibrinolyse und dadurch verbesserte Sauerstoffversorgung im Darmepithel.