Das Escapeverhalten virulenter Hefen in Diagnostik und Therapie


Enzyme sind Protein-Moleküle, die als biologische Katalysatoren wirken und damit einer chemischen Reaktion einen einfacheren Weg ebnen und eine spontane, aber langsame Reaktion zu einer schnelleren machen.

Heute ist bekannt, dass Enzyme im Reagenzglas genauso gut arbeiten, wie im lebenden Organismus. Diese Tatsache machen sich die chemische und die Nahrungsmittelindustrie heute gleichermaßen zu Nutzen. Selbst im alltäglichen Leben, z. B. in Waschmitteln spielen Enzyme eine wichtige Rolle.

Manche Erkrankungen entstehen dadurch, dass der Organismus ein Enzym nicht oder nur fehlerhaft herstellt. Diese Enzymdefekterkrankungen sind oft auf Fehler im Erbgut zurückzuführen. Von außen zugeführte Enzyme können als Ersatz dienen. Klassische Beispiele sind die Substitution mit Gerinnungsfaktoren oder Enzymen der Bauchspeicheldrüse. Leider ist der Ersatz von Enzymen nicht bei allen Enzymdefekterkrankungen erfolgreich, da es nicht immer gelingt, das fehlende Enzym in ausreichender Menge herzustellen und oft ist es auch unmöglich das Enzym an seinen Wirkort zu bringen.

Die Einnahme eiweißspaltender (proteolytischer) Enzyme ist eine wichtige naturheilkundliche Behandlungsmethode. Viele Wirkungen der Enzymtherapie entstehen durch die Zusammenarbeit mit dem Immunsystem und die Regulation der Abwehrmechanismen. Die biokatalytischen und immunmodulatorischen Eigenschaften sind in der Therapie verschiedener Erkrankungen von unschätzbarem Wert. Lange bekannt  ist der günstige Einfluß der Enzyme bei Entzündungen, Gefäßerkrankungen und vor allem Tumorerkrankungen.
Jetzt konnte gezeigt werden, warum bei Candida-Infektionen oft erst eine enzymatische Therapie den Behandlungserfolg sichern kann.

Eine orogastrointestinale Candida-Mykose mit entsprechendem Nachweis von Virulenzfaktoren und Vorliegen einer Symptomatik wird lege artis mit einem Polyenantimykotikum (Nystatin) und einer anschließenden mikrobiologischen Stimulierung der Kolonisationsresistenz (z. B. Paidoflor, Mutaflor) behandelt.
Nicht selten zeigt sich dann in der der Therapie folgenden Kontrolluntersuchung eine ähnliche Besiedelungsdichte wie vor der Therapie.

Hierfür kommen mehrere Ursachen in Frage:

1. Die mikrobiologische Therapie war nicht ausreichend, weil

 

a) das darmassoziierte Immunsystem zu stark geschwächt war und eine längere Stimulation in Verbindung mit immunologisch wirksamen Stoffen wie Zink vonnöten ist.
Diagnostisch empfiehlt sich das sekretorische IgA im Stuhl zu bestimmen, um von Anfang an Hinweise auf die nötige Therapiedauer zu erhalten.
 
b) die Störung der Kolonisationsresistenz so ausgepägt war, dass ebenfalls eine längere Substitution mit Darmbakterien nötig sein kann. Hinweise darauf liefert eine bakterielle Untersuchung des Stuhles.

 

Basierend auf neueren Forschungsergebnissen, kommt ein weiterer Rezidivgrund in Frage:

Virulente Hefen vermögen sich in Monozyten zu verstecken. Normalerweise sind die Monozyten als antigenpräsentierende Zellen ein wichtiger Baustein in unserer Pilzabwehr. Sie zerstören die Hefen, zerlegen die Oberflächenstrukturen der Zellen in "mundgerechte" Stücke, um sie dann auf ihrer Oberfläche den entsprechenden B- und T-Zellen anzubieten. So kommt die Immunantwort in Gang. Virulente Hefen jedoch werden durch die Monozyten nicht getötet, sondern sind in der Lage , sich in den Makrophagen zu verstecken und später ihrerseits die Freßzelle abzutöten. 
Die Hefen sind dann erneut nachweisbar, die Makrophagenzahl ist deutlich reduziert und damit das darmassoziierte Immunsystem ganz wesentlich geschwächt.

Dieser Sachverhalt konnte durch eine türkische Arbeitsgruppe schon 1991 gezeigt werden (Dalcilic, E. et. al, Candida and Candidamycosis), ist jedoch in der mykologischen Routinediagnostik nicht etablierbar. Man benötigt daher Marker, die einen Rückschluß auf diese pathologischen Veränderungen zulassen.
Ganz wesentliche Bedeutung haben offenbar an dieser Stelle die Antiproteinasen (z. B. Alpha-1-Antitrypsin). Der Organismus kann es sich nicht leisten, eiweißspaltende Enzyme im Blut oder in der Lymphe sich selbst zu überlassen. Nach ihrer Aufnahme aus dem Darm werden proteolytische Enzyme an Transportproteine gebunden. Die Blutkonzentration der freien Transportproteine (Alpha-1-Antitrypsin und Alpha-2-Makroglobulin) wird dadurch gesenkt. Durch eine hohe Konzentration von Alpha-2-Makroglobulin im Blut werden die Zellen des Immunsystems in ihrer Entwicklung negativ beeinflußt. Senkt man die Menge der freien Antiproteinasen im Blut z. B. durch die Gabe von Enzymkombinationspräparaten, wird dieser negative Faktor beseitigt und die Zellen des mononukleär-phagozytären Systems werden  stimuliert.  Die Makrophagen sorgen somit u. a. dafür, dass die Menge der Transportproteinasen in einem physiologischen "steady state" bleibt.

Eine pathologische Verringerung der Menge von Antiproteinasen führt zu einer Malabsorption von Enzymen. Eine Erhöhung der Transportproteine bedingt eine verstärkte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut und führt zu einem "Leaky-Gut-Syndrom". Eine steigende Prävalenz von Allergien ist die Folge.
Eine verringerte Makrophagenzahl führt demnach zu einer Erhöhung des Alpha-1-Antitrypsins im Stuhl, was sich labordiagnostisch messen läßt.

Therapeutisch läßt sich daraus ableiten, dass oral verabreichte, pflanzliche Enzyme (z. B. regazym plus, 3x1 Drg. nach dem Essen) aufgrund ihrer Verbindung mit den Transportproteinen jene Molekülgruppen der Enzyme blockieren, die allergische Reaktionen auslösen können. Das erklärt, warum nach oraler Enzymgabe kaum allergische Reaktionen auftreten. Allergene, Toxine, Makromoleküle und Abbauprodukte wie Indol und Skatol werden deutlich weniger durch die Darmwand transportiert. Das führt zu einer Abnahme der Allergie- und Intoxikationssymptomatik. Proteolytische Enzyme erhöhen die Aktivität der Makrophagen, die Anzahl nimmt zu und die Membran wird gestärkt.

Für die Therapie der rezidivierenden Candidose ergibt sich daraus folgendes: Um das Escape-Verhalten der Hefen zu verhindern, sollten parallel Nystatin für 7 Tage und regazym plus für ca. 4 Wochen gegeben werden.
Unabhängig davon können natürlich das darmassoziierte Immunsystem und die Kolonisationsresistenz mit einer mikrobiologischen Therapie unterstützt werden.

Die positiven Effekte systemisch wirksamer, säurestabiler Enzyme (regazym plus) bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen:

Verbesserung der zellulären Immunabwehr durch Aktivierung der Makrophagen und Verminderung der Zahl  an Transportproteinen.

Verbesserung der humoralen Immunabwehr durch Verhinderung von Fehlinterpretationen.

Auflösung pathologischer Immunkomplexe

Verbesserung der Durchblutung durch Fibrinolyse und dadurch verbesserte Sauerstoffversorgung im Darmepithel.