Die Bewertung der Candida-Serologie

Beim ersten Kontakt eines Individuums mit einem Antigen (in diesem Falle Strukturen auf der Oberfläche von Candida-Zellen) erkennen die Zellen des Immunsystems dieses Antigen als fremd und reagieren mit einer Immunantwort. Die Immunreaktion kann den Weg der zellvermittelten Immunität gehen (T-Zellen, Mononukleäre Zellen, Monozyten) oder die Bildung von Antikörpern induzieren. Bei der Immunreaktion gegen Candida spielen beide Reaktionen eine Rolle.
Antikörper sind kleine Y-förmige Eiweißmoleküle, die spezifisch auf den Kontakt mit dem Antigen gebildet werden und an dieses Antigen spezifisch binden können. Diese Bindung bewirkt entweder eine direkte Neutralisation (z. B. bei bakteriellen Toxinen und beim Befall mit bestimmten Viren) oder aber eine Aktivierung des Komplementsystems. Das Komplementsystem ist eine komplexe Gruppe von Serumproteinen (ähnlich der Blutgerinnungskaskade), die Entzündungsreaktionen vermitteln. Es gibt 5 Molekülklassen von Immunglobulinen und zwar IgA, IgD, IgG, IgM und IgE.

Ist es jetzt zu einem Kontakt zwischen bestimmten weißen Blutkörperchen und Candida-Pilzen gekommen, steigt zunächst der IgM-Spiegel im Blut an. IgM-Antikörper sind aus 5 sternförmig angeordneten Untereinheiten aufgebaut. Da IgM-Antikörper im Schnitt nur etwa 14 Tage im Serum nachweisbar sind, läßt sich bei Ihrem Vorhandensein im Serum ein Rückschluß auf den ungefähren Infektionszeitpunkt ziehen.

Nach etwa einer Woche kommt es zu einem sogenannten Ig-Switch. Dabei produzieren Plasmazellen desselben B-Zell-Klons Antikörper der gleichen Spezifität, jedoch einer anderen Immunglobulinklasse - das IgG. IgG-Antikörper sind die Antikörper der Hauptimmunantwort und machen etwa 80 % der Immunglobuline aus. IgG-Antikörper sind plazentagängig und stellen somit einen wichtigen Schutz von Neugeborenen dar. Sie haben eine Halbwertzeit von 18 - 23 Tagen. IgG wird durch Erinnerungszellen gebildet. Da die Klone eine lange Lebenszeit haben, findet man erregerspezifisches IgG im Serum häufig jahre- und jahrzehntelang nach überstandener Infektion.

Diese Antikörper sind auch mitverantwortlich für die Immunität gegenüber bestimmten durchgemachten Infektionen, bzw. für die durch Impfung entstandene Immunität. Die Tatsache, daß diese Antikörper sehr lange persistieren können, bewirkt, daß der Nachweis von IgG-Antikörpern in der Regel nicht geeignet ist, akute von langzeitig zurückliegenden Infektionen zu unterscheiden.

Kommt es nach durchgemachter Infektion zu einem erneuten Antigenkontakt, fällt die sogenannte Sekundärantwort sehr viel stärker aus, als die Primärantwort (Boosterung). Auch diese starke und spontane Antwort ist auf die noch im Blut vorhandenen Gedächtniszellen zurückzuführen. Auch "passen" diese während der Sekundärantwort gebildeten Antikörper sehr viel besser auf das Antigen als bei der Erstantwort. Die Reaktionen während der Sekundärantwort sind biologisch sinnvoll, denn sie schützen den Körper schneller und besser, die Ausbreitung der Infektion kann unter Umständen im Keim erstickt werden.

IgA-sezernierende Plasmazellen finden sich in großer Zahl vor allem im subepithelialen Bereich der Schleimhäute des Gastrointestinaltraktes, Respirationstraktes und Urogenitaltraktes, aber auch in den Speicheldrüsen, Tränendrüsen und Milchdrüsen. IgA-Antikörper sind nicht in der Lage, das Komplementsystem zu aktivieren. Sie üben ihre Wirkung auf den riesigen Schleimhautoberflächen und in den Interzellularräumen der Schleimhäute aus. Sie immobilisieren Antigene im Vorfeld, bevor sie in den Wirtsorganismus eindringen können. Ihr Vorhandensein im Serum in Verbindung mit IgG-Antikörpern deutet serologisch auf eine Re-Infektion mit demselben Erreger hin.

Es gibt verschiedene Methoden Antikörpermengen im Blut zu quantifizieren. Eine Methode ist der Hämagglutinationstest oder HAT. Das Serum wird ausverdünnt (1:40, 1:80, 1:160, 1: 320, 1:640....). Darin enthaltene spezifische Antikörper reagieren mit antigenbeladenen Schafserythrozyten zu Immunkomplexen, die zum Verklumpen und Sedimentieren der Erythrozyten führen. Die größte Verdünnungsstufe in der sich noch Antikörper nachweisen lassen, nennt man Titer. Befanden sich viele Antikörper im Ausgangsmaterial, kann man auch im stark verdünnten Serum noch Antikörper nachweisen.

 

Die Bewertung der Candida-Serologie:

Ein positiver Candida-IgG-Spiegel kann nun ganz unterschiedliche Gründe haben. Zum einen kann er von einer jahrlang zurückliegenden Schleimhautcandidose herrühren, die behandelt und ausgeheilt ist. Es kann eine akute Schleimhautcandidose mit massiver Ausbreitung vorliegen, eine chronische Schleimhautcandidose oder auch eine Systemcandidose. Diese Bandbreite der möglichen Ursachen macht die Schwierigkeiten bei der Bewertung immunologischer Befunde deutlich.

Zur Interpretation der Seroreaktion ist es wichtig, die Veränderung der Titer zu beachten und die Parallelität zwischen einem Titeranstieg und der Veränderung des klinischen Allgemeinzustandes zu korrelieren.
Erschwerend kommt hinzu, daß schwerkranke, immunsupprimierte Patienten (also Risikopatienten für Systemmykosen) unter Umständen immunologisch überhaupt nicht reagieren und somit auch keine Titerdynamik mehr aufweisen.

 

Nachfolgend seien einige Leitlinien für die Bewertung aufgeführt:

- Es kommt immer wieder vor, daß bei einer massiven Intestinalmykose einzelne Pilzzellen durch die Darmwand wachsen, mit weißen Blutkörperchen in Kontakt kommen und so einen Titeranstieg bewirken. Nach erfolgreicher Therapie bleiben diese Antikörper jahrelang im Blut.

- Aufgrund eines serologischen Befundes alleine kann man keine zuverlässigen Aussagen über den Zustand der Erkrankung, bzw. die anzuwendende Therapie treffen.

- Alle serologischen Befunde müssen im Zusammenhang mit dem klinischen Bild und der kulturellen Diagnostik interpretiert werden.

- Bei Verdacht auf eine Ausbreitung der Candida-Pilze auf dem Blutwege gibt eine Urinuntersuchung relativ zuverlässige Hinweise. Wenn Pilze in die Blutzirkulation gelangen, werden sie regelmäßig mit dem Urin ausgeschieden. Wichtig ist dabei, daß der Urin richtig entnommen wird, damit ein positiver Befund nicht auf Verunreinigungen beruht. Es empfiehlt sich generell bei Mann und Frau gleichzeitig Abstriche von den Genitalien zu machen.

- Eine System- bzw. Organmykose kann nur durch positive Befunde im klinischen Material (Sputum, Biopsate, Punktate, Magensaft, Urin, Liquor, etc.) in Verbindung mit der Titerdynamik gesichert diagnostiziert werden.

Therapie:
Eine Systemcandidose ist eine schwere Erkrankung und bedarf der systemischen antimykotischen Therapie.
Da Nystatin nicht weiter resorbiert wird, ist es hier nur zur oberflächlichen Behandlung (Darm, Inhalation) geeignet.

Ansonsten empfiehlt sich eine Therapie mit Amphotericin B in Verbindung mit Flucytosin (i. v.), Fluconazol oder Itraconazol.